Sonntag, 23. Oktober 2011

Höhlenmalerei

Ich weiß nicht, ob ich es schon mal gesagt habe: Ich lese das Geflügel-Digest. Die Mia klaut es mir immer aus dem Wartezimmer beim Tierarzt, wenn sie dort ihr selbst gemanschtes Dotter-Shampoo anpreisen geht. Die Mia meint, ein bisschen Bildung täte mir gut, und tatsächlich steht viel in dem Digest, was ich noch nicht wusste.


War euch zum Beispiel bekannt, dass Gustav Gans viel lieber Melonenbauer geworden wäre? Nein, wirklich. Man sollte doch glauben, dass gerade er, der alle Wettbewerbe gewinnt, die Zufriedenheit mit jedem Atemzug ausdünstet. Aber so kann man sich täuschen. In einem Interview stand, dass er schon vor vielen Jahren einen Versuch zum Aussteigen unternommen hatte. Er lebte anonym in Kentucky. Doch dann hat er dort aus Versehen an einem Preisausschreiben teilgenommen und den Hauptgewinn gewonnen (einen Mähdrescher). Einen Monat später hat er sogar die drei größten Melonen geerntet, die es jemals in den USA gegeben hat. Da ist er freiwillig gegangen, bevor man ihn aus dem Drugstore jagen konnte. Jetzt ergibt er sich in seine Bestimmung, nimmt  sein Schicksal tapfer an, ohne zu klagen. Er zieht weiter von Stadt zu Stadt, verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Einsacken von Wettbewerbspreisen. Er ist stinkreich, aber totunglücklich. Das Interview war echt toll. Mir kamen oft die Tränen beim Lesen. Ich dachte: „Du arme Sau. Ich helf dir sofort beim Tragen.“

Im Geflügelsport kennt sich von euch auch keiner besonders gut aus, nehme ich an. Im Ölfassrollen führt der Emu Takelaschi aus Japan und im Tauchen nach Einweckringen die Ente Lucille aus Marseille in Frankreich.

Es wird aber auch über hochwissenschaftliche Themen geschrieben. Das Geflügel-Digest ist immer auf dem neusten Stand. Eigentlich lese ich das Ding nur wegen dieser Forschungsergebnisse. Mikrobiologie kann nämlich total interessant sein, wenn Comic-Blasen dabeistehen, die einem alles erklären. Kürzlich aber habe ich was gesehen, das war so dämlich, das muss ich euch zeigen.

Überschrift: „Prähistorisches Höhlenrelief entdeckt“. Darunter war dieses Bild:


Gefunden hatte man das Ganze auf der Unterseite eines Felsbrockens auf dem Tohubawohu-Atoll. Das ist im Atlantischen Ozean vor Costa Rica, aber noch ‘n Stück weiter draußen. Höhlenmalerei kommt also schon mal nicht hin. Das ist der erste Fehler.

Dann wurde behauptet, das Gekrakel sei 40.000 Jahre alt … nee … 20.000 … ach, mindestens! … doch, ganz bestimmt! … ja, genau … so war‘s. –  Ha! Blödsinn! Da gab’s doch noch gar keine Kratzstifte für solche Steinmetzarbeiten. Da haben die Menschen doch noch mit Saurierkacke gemalt und der Regen hat alles weggewaschen. Aus die Maus mit weitergeben an die nächste Generation.

Weiter hieß es, es tät sich um die Darstellung zweier Papageien handeln, die gerade Kinder machen. Oh mein Gott, die von der Forschung denken wohl auch, sie könnten uns alles erzählen und wir merken es nicht. Papageien? Okay, das kann hinkommen. Die Schnäbel sind jedenfalls krumm. Federn tragen diese zwei Lachnummern ganz offensichtlich auch um die Hüfte – aber Kinder machen?

Ja, hallo?  Schaut euch nur mal an, wie albern sich die beiden verrenken. Lachhaft! So gibt’s nie und nimmer Küken. Das klappt nicht. In Millionen Jahren nicht. Der Hahn oben drauf (ich nehm doch an, es ist das Männchen), der hängt da wie ‘n Speckknödel, der gleich vornüber kippt.

Was haben sich die Leute bloß gedacht, dass sie so was in den Stein ritzen? Oder sollte das am Ende eine von zwei Schultafeln sein mit Beispielbildern „richtig“ und „falsch“, wobei das Relief mit dem „Richtig“ abhanden gekommen ist?

Die Forscher jedenfalls sprechen von einer Sensation. Die Darstellung täte so ungemein realistisch aussehen. Außerdem wüsste man nicht, was der gelbe Fleck bedeuten soll. Darüber sei man noch am Rätseln. Die einen sehen darin ein Zeichen für auserwählte Bevorzugung bei der Arterhaltung, die anderen im Gegenteil die farbliche Kenntlichmachung als Warnung vor den unfähigen Exemplaren der Mutter Natur. Wenn ihr mich fragt: Ich bin für Letzteres. Wie sich der Idiot anstellt, ist wirklich absolut dusselig.

Wenn ich so was lese, sage ich mir: Gut, dass ich die 5 Euro Kaufpreis gespart habe. Die Journaille ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Allerdings ist das Geflügel-Digest sonst viel seriöser. Nächsten Monat kommt zum Beispiel eine Reportage über Matchboxautos. Über Leute, die alles, aber auch alles dafür tun, damit sie das allerneuste Modell ergattern. So was sollte man viel öfter bringen. Positive Beispiele für eine sinnvolle Lebensgestaltung sind heute viel zu selten in den Medien.

© Originalfoto Hühner: A. T.
© Max: Papageiengeschichten

Kommentare :

  1. Moin Max, also, ich hab keinen blassen Schimmer davon, wie Vögel aussehen wenn sie menscheln und überhaupt, bin ich ja jenseits von gut und böse, darum interessieren mich tatsächlich die Matchboxautos mehr und ich hoffe, Mia organisiert die nächste Ausgabe Geflügel-Digest. Unter den Federn alles ok ? LG. PIT

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  2. köstlich! einfach köstlich! dein wort zum sonntag! :-)
    wir freuen uns schon auf deine nächste rezenssion.

    grünes dackelbussi

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  3. Gell, das habt ihr nicht gedacht, dass Geflügel-Magazine so interessant sind.

    Die Silberfischchen-Presse hat auch noch gute Kritiken, aber Finger weg von "MotteMufflonMaccaroni". Das ist 'n Lobbyverein.

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  4. Hallo Du süßer grüner Vogel,
    ich wußte gar nicht, dass es auch eine Fachpresse für Euch gibt ;-))))
    Ich finde es sehr wichtig, dass Du weiterbildest -auch wenn ich nicht so ganz mit dem Weg, auf dem die Zeitung zu Dir gekommen ist, einverstanden bin.
    Hm, muss ich dann die Hundefachprsse verstecken, wenn Du nächstes Jahr zur Renovierung anreist??????
    Lachende Grüße,
    Mona und Anhang

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  5. Meinst du die Fellpresse? Die kenne ich, weil ich die auch lese. Du kannst also alle eure Zeitschriften offen liegen lassen, auch die Rentner-Bravo.

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  6. Warum kommt mir diese "Höhlenmalerei" nur so bekannt vor?.... Grübel,grübel.... Als hätte ich das Bild schon mal woanders gesehen. Merkwürdig, merkwürdig.

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  7. Ja, das kann sein, Cora. Klohd Mohnee hat viele Seerosen gemalt, und die kommen einem auch so vor, als hätte man sie schon mal gesehen.

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  8. Nee,nee. Die Höhlenmalerei hat große Ähnlichkeit mit dem letzten Foto deines Artikels "Die Buße". Oder lebte auf dem besagten Atoll ein direkter Vorfahre von dir. Oder hast du etwa geschummelt?

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  9. Also ich seh da keine Ähnlichkeit. Das hier auf dem Bild ist ein Idiot, und der bei der "Buße", das ist ein Meister!

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  10. Also Weiterbildung ist ohne Frage gaaaaaaanz wichtig - auch für Papageien. Aber wie kommt es nur, dass diese Höhlenmalerei soviel Ähnlichkeit mit heute lebenden Tieren hat....? Irgendwie dachte ich immer, die Evolution bleibt nicht stehen und alle Tiere entwickeln sich weiter - oder sollte das für euch nicht gelten???
    Und du würdest dich selber doch nicht als albern bezeichnen, oder - auch nicht nach einer kleinen Photoshop-Sitzung, oder???
    LG, Enya

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  11. Photoshop? Isses das, womit man Leute dünner macht? Nö, brauch ich nicht, ich bin schlank genug. [-(

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