Dienstag, 17. April 2018

Tante Gisela

Das ist sie:


Ich kenne Tante Gisela schon ganz lange, so ungefähr 14 Jahre. Sie ist total nett und wie meine Putze 39 Jahre alt. Tante Gisela wohnt in Duisburg. Das ist dort, wo der Boden hohl ist, weil da mal Kohle war, wo die Leute Tauben mögen und Kieslowski heißen.

Die Tante Gisela heißt aber nicht Kieslowski und hat auch keine Tauben, sondern die hier an der Backe:


Das sind, wie man sieht, Cora (rechts) und Paule, das Dreamteam vom Kohlenpott. 

Um es noch schlimmer zu machen, watschelt der hier durch Blumenbeet und Wohnzimmer:


Engelbert heißt die Geißel. Seinetwegen hat die Tante Gisela immer totale Kopfschmerzen. Die können allerdings auch vom Paule kommen. Oder von der Cora. Der Engelbert flutet alle Elektrogeräte, der Paule ist unsolide und pommeskutiv mit bekloppten Freundinnen, und die Cora findet keinen, der sie heiratet, damit sie endlich aus dem Haus kommt. Ich kann verstehen, dass der Tante Gisela öfter mal die Nerven flattern. 

Obendrein hat sie ja noch die beiden Plagegeister. In Wahrheit heißen die natürlich anders; die Cora nennt sie nur so. Sie heißen Enkel und können vormittags noch nicht in der Schule untergebracht werden. Sie sind Teil eines größeren zweibeinigen Schwarmverbandes. Auch dieser Schwarmverband heißt nicht Kieslowksi, kommt aber öfter zu Besuch und bleibt dann im Haus bis zum Aufbruch.

Kurzum: Die Bude ist voll und alle wollen was von Tante Gisela.

Nur ich, ich will nichts von ihr. Im Gegenteil, ich möchte ihr was schenken, nämlich das hier:


Alles Gute für dich, Tante Gisela.
Bleib gesund und munter.
Ich wünsche dir, dass dieser 39. Geburtstag genauso schön wird wie der 39. im letzten Jahr.
Lass es dir gutgehen.

Dein lieber Junge
Max

P.S: Die Mia gratuliert natürlich auch. Und die Putze. Und die Matschfalter.  
Ist doch klar.

Fotos: Cora und Paule: © G.H.
           Mona Lisa, Ente, Rosen: Pixabay

© Max: Papageiengeschichten 

Sonntag, 15. April 2018

Das Bild des Tages (4)


Boah, guckt euch das an. Und das in unserer freien zivilisierten Welt. Da stehn mir ja die Federn zu Berge. Wisst ihr was? Ich werde gleich mal eine Sammlung veranstalten. Spendet für "Free sausages". Zahlt das Geld auf mein Konto ein. Ich geb's dann weiter, damit die armen Honks was Warmes übern Hintern gezogen kriegen.

Foto: Pixabay

Sonntag, 8. April 2018

Der Spruch des Tages (185)


© Max: Papageiengeschichten (Bild)

Samstag, 31. März 2018

Das Bild des Tages (3)

Na, denn ...
Frohe Ostern
wünschen
und die Putze

Bild Ostereier: Pixabay

Montag, 12. März 2018

Neulich heimlich mitgeschnitten



Ich sag's ja immer wieder: Eine gute Spionagetätigkeit mit zuverlässigen Zuträgern und/oder einer modernen Technik ist Gold wert. Dieses Protokoll eines heimlichen Mitschnitts von Mias Handy möchte ich euch nicht vorenthalten. Es enthält viel wertvolles Lehrmaterial. Bitte lest es aufmerksam durch und überzeugt euch selbst, wie schlecht die Welt ist.

Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp

Mia: Ja?
….... Mia, bist du's? Hier ist Polly.
Mia: Oh, hallo Polly. Hach, das ist ja schön, dass du anrufst. Ich hätte mich auch gerade bei dir melden wollen. Weißt du, das mit dem Glitzernagellack, dass der bei mir im Schminkbeutel gelandet ist, das war keine Absicht. Das habe ich erst zu Hause gemerkt. Ich geh gleich morgen zur Post und schick ihn dir zurück.
Polly: Ach nee, lass man. Den schenk ich dir. Ich hab meiner Mama was anderes mitgebracht, was für 'n Haushalt. Darüber freuen sich Menschenfrauen sowieso am meisten.
Mia: Echt? Du schenkst mir den teuren Nagellack aus New York? Den von der Fifth Avenue? Mit dem Strassbeutelchen von Luther Groß?
Polly: Ja. Aber deswegen rufe ich nicht an. Sag mal, ihr habt doch da jemanden bei euch wohnen.
Mia: Wir? Nö. Manchmal haben wir Austauschschüler über Weihnachten. Die sind nach zehn Tagen aber wieder weg. Und jetzt haben wir fast Ostern.
Polly: Ich meine den dicken Grünen, diesen Simpel, der immer so die Klappe aufreißt.
Mia:  Ach, du meinst den Max.
Polly: Ja. Sag mal, ist was mit dem?
Mia: Wieso?

Polly
Polly: Der kommt nicht zu Potte mit dem New-York-Bericht. Vier Teile hat er ja schon eingestellt, aber es vergeht immer so viel Zeit dazwischen. Für das bisschen Gefasel müsste er längst fertig sein. Er tönt doch immer so, dass er der beste Reporter auf Gottes Erdball wäre.
Mia: Ach, da hör ich schon gar nicht mehr hin. Ich weiß auch nicht, warum er da nicht weitermacht. Ich kümmere mich nicht drum.
Polly: Ist er wieder eingeknastet?
Mia: Nö.
Polly: Oder krank?
Mia: Na ja, wie man's nimmt. Im Januar sollte er beim Backen helfen. Er sollte Löcher in den Teig stanzen. Du weißt schon, so'n Backblech mit Teig drauf, wo dann so 'ne süße Flüssigkeit drübergegossen wird, die da reinsickert. Erst hat er immer ordentlich mit dem Schnabel Reihen gezogen, so pock-pock-pock. Ich dachte noch, das geht ja flott. Später, als die Mama wieder in die Küche kam, lag er auf dem Bauch im Teig, mittendrin, und hat geschnarcht. Vom Schnabel guckten nur noch die Nasenlöcher raus, so tief war er eingesunken. Das war vielleicht 'ne Ackerei, den Kerl wieder sauber zu kriegen. Geheult hat er unter der Dusche, und später waren da überall Pusteln am Schnabel, so Ausschlag oder was. Er hat sich zwei Wochen nicht nach draußen getraut, weil die Dachtauben ihn ausgelacht haben. Ganze Pulks hatten aufm Fensterbrett gestanden und mit dem Flügel ins Zimmer gezeigt. Das ist ihm arg angekommen wegen Respektverlust und so. Er bildet sich ja viel darauf ein, dass er die Dachtauben im Griff hätte.
Polly: Oh Mann, was fürn Depp. Deswegen hätte er doch aber am PC tippen können. Seine Krallen waren doch nicht beeinträchtigt, oder?
Mia: Nö, waren sie nicht. Aber da fällt mir was anderes ein. Mensch, dass ich das vergessen konnte! Die Mama hat ihm verboten, an den PC zu gehen, weil er doch so mieft.
Polly: Er mieft?
Mia: Ja. Nach Sauerkraut.
Polly: Watt?
Mia: Ja. Er war doch zwei Tage verschwunden und keiner wusste, wo er abgeblieben war. Wir haben aufm Balkon ein Sauerkrautfässchen stehen. Haben wir geschenkt gekriegt, so eins zum Selbsteinlegen mit Salzlache und so. Und plötzlich war der Max weg. Wir haben alles abgesucht. Nix. Die Mama ist fast wahnsinnig geworden. Sonst hat er ja immer Bescheid gesagt oder war abends wieder da. Taschengeld, Handy und seine Maoams, alles lag noch neben der Voliere. Die Mama hat schon gedacht, dass man ihn entführt hätte, aber mal ehrlich: Wer will den schon haben? Mann, das waren echt anstrengende zwei Tage, immer das Gekrieche hinter jeden Schrank und jede Kommode, obwohl man da schon tausendmal nachgeguckt hatte, und dann das Geheule von der Mama: „Wo ist mein Junge? Buhuhu.“ Gefunden haben wir ihn dann durch Zufall im Sauerkrautfässchen. Der Holzdeckel war drübergezogen bis auf einen winzigen Spalt zum Atmen. Keine Ahnung, wer das gemacht hat. Der Max lebte noch. Allerdings war er nass bis auf die Knochen und stank nach Sauerkraut, dass einem schlecht werden konnte. Das ging auch nach dem Duschen nicht weg. Reden hat er auch nicht können wegen der vergeblichen Schreierei um Hilfe. Drei Tage war seine Stimme komplett weg. Das waren vielleicht drei herrliche Tage! Endlich mal Ruhe von dem aufgeblasenen Gesabbel, und „Bremm-bremm“ hat auch keiner mehr gemacht und seine Matchboxautos an die Tür geknallt. Na jedenfalls, mieft er immer noch fies säuerlich, obwohl das schon zwei Wochen her ist. Die Mama hat ihm verboten, sich an die Tastatur zu setzen. Er darf sich nicht länger als fünf Minuten im Büro am PC aufhalten, bis er wieder normal riecht. Das kann aber noch dauern. Ich habe ihn übrigens auch ausquartiert. Neben Sauerkraut kann ich nicht einschlafen. Jetzt schläft er im Besenschrank. Da stört er keinen.
Polly: Ich schmeiß mich weg. Euch bleibt aber auch nichts erspart.
Mia: Das kannste wohl laut sagen.
Polly: Na gut, dann weiß ich Bescheid. Dann braucht der Depp wohl noch, bis er ausgelüftet ist und seiner Reporterpflicht nachkommen kann. Tschüs, Mia. Genieß die Zeit allein in der Voliere.
Mia: Ja, tschüs. Danke. Und danke noch mal für den Nagellack.


Eine Minute später.
Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp

........ Mmmh, midde? Mieeer Muuuiismmmuug.
Mia: Was? Bist du das, Cora?
........ Möö.


Engelbert
Mia: Engelbert? Nimm den Schnabel auseinander, wenn du sprichst. Was machst du überhaupt an Coras Handy?
Engelbert: Nachgucken, wer anruft.
Mia: Boah, bist du 'n Kotzbrocken. Der gibt das auch noch zu. Hol mir sofort die Cora ans Telefon. Aber dalli!
Cooooora … die Hannover-Tussi will dich sprechen.
Mia: Nicht aufregen, Mia, ganz ruhig bleiben, nicht aufregen ...
Cora: Ja? Mia? Was gibt’s?
Mia: Stell dir vor, Cora, die Polly hat gerade angerufen. Sie schenkt mir den goldenen Glitzernagellack aus New York. Sogar mit dem Beutelchen von Luther Groß! Ist das nicht megageil? Das Gold hat ihr sowieso nicht gestanden. Bei zimtfarbenen Hunden ist Silber besser. Gold wirkt da wie Weihnachtsdeko.
Cora: Wieso? Den Lack hast du doch gar nicht mehr. Der ist doch längst alle. Und im Beutel war dir doch der Nagellackentferner ausgelaufen.
Mia: Pssst, das weiß doch die Polly nicht.
Cora: Na, das nenn ich aber Glück gehabt.
Mia: Nicht wahr? Was bin ich froh, dass ich dich habe. Dir kann ich alles erzählen, und kein Geheimnis dringt nach draußen. Muss ja keiner wissen, dass ich die Polly ein bisschen beschummeln musste – notgedrungen.
Cora: Nee, ich verrat nix. Hat die Polly extra deswegen angerufen? Nach so langer Zeit?
Mia: Nein, sie wollte wissen, warum der Max nicht zu Potte kommt mit seinem New-York-Bericht.
Cora
Cora: Ach so. Dann ist ja gut.
Mia: Was machst du gerade?
Cora: Ich sticke Eier.
Mia: Häh?
Cora: Na, Eier auf Tischsets. Die wollen wir verkaufen. Aufm Osterbasar. Das Geld ist für den Plattschnabel, den Engelbert, dieses Strafgericht. Jetzt hat er schon wieder den neuen Handquirl in Seifenlauge eingeweicht. Der ist natürlich hin. Er begreift es nicht. Wenn wir genug Geld zusammenhaben, schicken wir ihn zur Therapie nach Pellworm. Wart ihr da nicht auch mal zur Korrektur, der Max und du?
Mia: Erinnere mich nicht daran!
Cora: Na ja, den einen erwischt's früher, den andern später. Ihr habt ja auch dauernd Ärger mit eurem Holzkopp. Mit euch möchte ich auch nicht tauschen.
Mia: Wie heißt es so schön? Was uns nicht umbringt, macht uns stark.
Cora: Da sagst du was Wahres. Tschüs, meine Liebe. Bis bald.
Mia: Tschüs, Cora. Und nicht verraten, das mit Pollys Nagellack, hörst du?

Eine halbe Stunde später.
Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp

Mia: Ja, bitte?
....... Huhu, Mia. Hier spricht die Amy.
Mia: Oh, Gott …
Amy: Was hast du gesagt?
Mia: Ich sagte: Schön von dir zu hören, Amy. Was führt dich zu mir?
Amy: Ich habe gehört, dass die Polly dir den sauteuren Nagellack aus New York geschenkt hat.

Amy
Mia: Ja … und?
Amy: Dann kannst du mir ja endlich mein Parfüm von Kurt Speicheracker wiedergeben, das du damals in New York einfach eingesteckt hast.
Mia: Hab ich das?
Amy: Ja.
Mia: Na gut, ich schick dir die Flasche dann mal bei Gelegenheit.
Amy: Tust du das auch wirklich?
Mia: Klar.
Amy: Ganz sicher?
Mia: Ganz sicher.
Amy: Gut, dann will ich's mal glauben. Bis dann, tschüs, Mia.
Mia: Tschüs, Amy. War nett, mit dir zu plaudern.

Fünf Minuten später.
Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp

Mia: Mann, wo ist die schwarzweiße Landpomeranze denn hingetrabt in der kurzen Zeit? So groß ist Schleswig-Holstein nun auch wieder nicht, dass man sich da verläuft.
........ Hier Lukes Facility-Service, Kammerjägerei, Planung und Exekutive, Pit, der Geschäftsführer am Apparat …?
Mia: Mensch, Pit, was dauert das so lange? Hast wohl wieder aufm Küchentisch gelegen und gepennt, was?
Pit: Wo denkst du hin, Mia? Ich war nur gerade … gähn … aufm Boden, die Akte mit den Preisen suchen. Alles muss man hier allein machen. Der Luke ist beim Kunden, die Amy kann man ja nicht ans Telefon lassen, so wie die da immer albern jodelt, und der Jack hat keine Lust auf  Arbeiten. Ich bin der Einzige, der den Laden am Laufen hält.
Pit
Mia: Apropos laufen. Kannst du mal die Amy holen, ich muss sie was fragen.
Pit: Ich sag's doch – alles muss ich allein machen.
Mia: Nun mach schon, Pit. Es ist wichtig.
Aaaamyyyy! … Komm her. Telefon für dich. Die Mia ist dran.
Pit: Sie kommt gleich. Aber quatscht nicht so lange. Das ist hier die Geschäftsleitung, die muss frei bleiben.
Mia: Nee, keine Angst. Es geht ganz schnell.
........
........
Amyyyyyy! Komm in die Hufen. Die Krokusse beriechen kannst du auch später noch. Es eilt.
........
........
Amy: Ja, Mia, hast du was vergessen?
Mia: Ja, habe ich. Wie heißt du eigentlich mit Nachnamen? Ich meine, wenn ich dir das Parfüm zuschicke, dann muss doch die Anschrift richtig sein. Nicht, dass das Päckchen am Ende bei euren Stuten im Stall landet.
Amy: Da sagst du was. Hihihi. Da würde der Stall ja schön duften. Ich heiße „Border-Collie“ mit Nachnamen.
Mia: Du hast einen Doppelnamen?
Amy: Ja.
Mia: Warst du mal verheiratet, oder woher hast du den? Der ist schick.
Amy: Nein, den Namen habe ich von meinen Eltern. Mein Vater heißt „Collie“ und meine Mutter ist eine geborenen „Bordüre“. Hugenotten, weißt du? Ihre Familie stammt aus der Provence. Mein Uropa hat das aber eingedeutscht, weil das keiner richtig aussprechen konnte.
Mia: Aha. Wie gesagt, das hört sich wirklich sehr stylish an. Glückwunsch.
Amy: Danke.
Mia: Soll ich dir trotzdem die Flasche mit der Pfütze Parfüm schicken, oder lohnt sich das nicht mehr?
Amy: Ich weiß nicht, was du meinst.
Mia: Ach, lass man. Ist schon gut. Du hörst dann von mir. Bis dann. Tschüs, Amy.
Amy: Tschüs, Mia.

Zwei Sekunden später.
Bölöpp-döpp-döpp-döpp … Bölöpp-döpp-döpp-döpp

Mia: Ja?
........ Hallo, Mia, hier ist Karlsson.
Mia: Hallo, Karlsson. Ich hatte gerade aufgelegt – ein wichtiges Gespräch mit der „Celebrity“. Die sind ja immer so furchtbar aufdringlich, dabei hatte ich neulich schon gesagt, dass ich für sie keine Nacktfotos mehr mache.
Karlsson: Aha. Da bist du ja schwer beschäftigt. Wie macht man eigentlich Nacktfotos bei euch Amazonen? Rasiert ihr euch das Gefieder weg, oder was?
Mia: Ach, Quatsch. Du hast ja keine Ahnung. Das sind total ästhetische Fotos mit professionellem Licht und sexy Makeup. Und die Reportagen im Heft sind auch immer sehr anspruchsvoll.
Karlsson: Brauch ich nicht, so was. Die Jazz-Abende mit meinem Papa reichen mir völlig aus.
Mia: Guckst du dir denn nie was schönes Weibliches an?
Karlsson: Weiblich? Wozu? Die Polly wohnt bei uns und vorm Fenster auf der Wiese stehen genug Schafe rum. Die will ich nicht nackt sehen. Und trotzdem ziehen sie sich jedes Jahr komplett nackig aus und gurken mir dann schamlos vor der Nase herum. Das braucht keiner.
Mia: Na ja, Schafe … das ist ja auch was anderes. Ich meinte erotische Fotos.

Karlsson
Karlsson: Erotisch? Nä! Die Schafe mit Strapsen, das fehlte gerade noch.
Mia: Ich seh schon, du bist ein hoffnungsloser Fall. Reden wir von was anderem. Weshalb rufst du eigentlich an?
Karlsson: Ach so, ja. Die Polly hat mir erzählt, dass der Max nicht an den PC darf, weil er sich in Sauerkraut gesuhlt hat und jetzt ein Monster ist. Stimmt das?
Mia: Ja, so in etwa.
Karlsson: Gut, in diesem Fall hätte ich zweierlei Anliegen. 1. Wo findet man dieses Sauerkrautbad? Ist es auch für Hunde zugänglich? Und 2. Wieso hat er mir erzählt, dass er seinen rechten Fuß eingegipst hätte und deswegen nicht an seinem New-York-Bericht weiterschreiben könne? Da stimmt doch was nicht.
Mia: Also … wo es Swimmingpools mit Sauerkraut gibt, das weiß ich auch nicht. Wir haben bloß ein privates Fässchen auf dem Balkon stehen. Ich glaube nicht, dass du da reinpasst. Du kannst aber gern mal vorbeikommen und selbst nachschauen. Für den Max war das Fässchen jedenfalls groß genug, aber suhlen würde ich das nicht nennen, was er darin gemacht hat. Und dann hat er dir erzählt, er hätte einen gegipsten Fuß? Seit wann das denn? Und wieso?
Karlsson: Seit Anfang des Jahres, kurz nachdem er den vierten Teil des Reiseberichts eingestellt hatte. Seitdem ist ja nichts mehr gekommen. Das ist ja nun auch schon Monate her. Er hat gemeint, er wäre an der Straßenbahn von einem Pulk Eisbären angepöbelt worden. Dann hätten sie plötzlich zugeschlagen und dabei wäre ihm der rechte Fuß gebrochen.
Mia: Ach, du liebe Güte. Das hast du ihm geglaubt?
Karlsson: Na ja, einen Freund belügt man nicht. Und das mit den Eisenbären kam mir zwar 'n bisschen komisch vor, aber weiß ich denn, was bei euch in Hannover alles möglich ist?
Mia: Mann, Karlsson, wir sind doch kein Bananenkraal. Wir haben Zivilisation.
Karlsson: Na und? Gibt es asoziale Eisbären nur am Nordpol? Ich hatte Mitleid mit dem Max. Mach mir jetzt bloß nicht zum Vorwurf, dass ich auf seiner Seite stand. Mir bedeutet Ehrlichkeit eben noch was.
Mia: Mir auch, mein lieber Freund, mir auch. Trotzdem: Der Max hat dir 'nen Bären aufgebunden (hahaha, wie sinnig, stimmt ja mal aufs Wort). In Wahrheit war alles ganz anders. Der Max kann seinen dämlichen Reisebericht nur nicht fortführen, weil er so penetrant nach Sauerkraut stinkt. Jemand hatte ihn dort eingesperrt. Jetzt ist er nicht mehr für analoge Sozialkontakte geeignet. Wir müssen warten, bis er wieder sauber ist. Das ist alles. Nix mit Angriff der Killergurken aus dem All und so. Der Spinner hat dich verarscht.
Karlsson: Boah, das verdoppelt mir glatt die Krallen. Na warte, dem werde ich was erzählen. Darf der denn noch sein Handy benutzen?
Mia: Klar.
Karlsson: Dann ruf ich den mal an.
Mia: Tu das. Und wegen des Sauerkrautpools würde ich mal im Internet recherchieren. Da gibt es bestimmt was für Hunde. Vielleicht kann das dein Papa sogar von der Steuer absetzen unter Gesundheitsausgaben. Nur würde ich die Kur nicht gerade machen, bevor wir wieder verreisen wollen. Dann würde ich dich nämlich nicht mitnehmen. Ein Stinker im Team reicht.
Karlsson: So wie ihr Mädels immer nach Kurt Spiegelsocker mieft?
Mia: ... Speicheracker. Ja, genau. Tschüs, Karlsson, mach's gut.
Karlsson: Tschüs, Mia. Und nichts dem Max verraten. Die Federn will ich ihm höchstpersönlich ziehen. Alle einzeln. Da freu ich mich schon drauf.

Ist das nicht die Höhe? Das nennt sich also Freunde. Ich bin schwer enttäuscht. Wer mich anrufen möchte, tut das am besten per E-Mail. Ich habe mein Handy weggelegt. Ich bin vorläufig nicht zu erreichen.

© Max: Papageiengeschichten
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