Posts mit dem Label Abschied werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Abschied werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 24. Oktober 2021

Tschüs, macht's gut

Wundert ihr euch über die komische Überschrift? Nun, manchmal kommen Dinge auf einen zu, die man nicht erwartet. So ging es uns auch. Die Mia und ich, wir wohnen nämlich nicht mehr bei der Putze. Wir leben jetzt an der holländischen Grenze bei einer Familie in der Außenvoliere. Wir haben viele Nachbarn. Links von uns wohnt ein Blaustirnamazonenpärchen und rechts von uns zwei Graupapageien. Und dann ist da noch viel buntes Kleingeflügel, das der Zucht und Ordnung bedarf. Damit befasse ich mich augenblicklich.

Ganz freiwillig sind wir zuerst nicht ausgezogen, das muss ich zugeben. Das kam so: Nachdem ich die Putze zum dritten Mal böse angegriffen und böse verletzt hatte, meinte sie, so ginge das nicht weiter. Wenn man gemeinsam in einem Haushalt wohnt, dann müssen alle aufeinander Rücksicht nehmen. Es gehe nicht an, dass sich einer ständig daneben benimmt, und sie, die Putze, nicht mehr durch die Wohnung laufen könne, ohne Angst haben zu müssen, angefallen und gebissen zu werden.

Damit meinte sie mich. Aber weil sie das mit Tränen in den Augen sagte und ich in den letzten sechs Jahren es immer geschafft hatte, dass sie mir jedes Mal eine weitere Chance einräumte, dachte ich, sie mache wieder nur leere Späßekens. Doch diesmal blieb sie hart. Ich hätte sie diesmal ziemlich gefährlich verletzt und außerdem einen weiteren Raum der Wohnung erobert, und das mache die Sache nicht einfacher. Jetzt sei Schluss. Ich würde mich nie ändern, ich würde nicht aufgeben, bis ich die ganze Wohnung kontrollieren würde, und dann sei sie ihres Lebens nicht mehr sicher.

Okay, das ist ihre Sicht der Dinge. Jetzt komme ich mit meiner: Die spinnt, die Else! Es ist doch nur natürlich, dass der einzige intelligente Mann der Familie die Verantwortung übernimmt und der einzigen schwachen Frau der Familie zeigt, wo's langgeht, notfalls mit einem bisschen Nachdruck. Es hat ihr doch gefallen, am Wochenende in der Notaufnahme zu sitzen. Die Verbände waren jedes Mal superschick. Sonst hatte die niemand, das muss man ja auch mal anerkennen, nicht wahr?

Also, ich finde, die Putze übertreibt maßlos. Aber gut, so ist es nun mal, es lässt sich nicht ändern. Die Mia ist mitgekommen, obwohl sie die Putze noch nie gebissen hat (die Memme!). Sie ist der Meinung (nach reiflicher Überlegung), dass neue Situationen auch neue Chancen eröffnen. Wenn sie weit weg von Hannover wohnt, muss sie sich nämlich nicht mehr mit dem Harald auseinandersetzen. Dass er sie damals so schnöde abserviert hat, geht ihr noch immer nach. Und manchmal hat man sich auch unterwegs getroffen; das hat alte Wunden aufgerissen. Aber jetzt am Niederrhein wird er ja wohl nicht mehr auftauchen, der Flatschendepp. Die Mia begrüßt das sehr. Außerdem hat sie bereits ein kleines Business aufgezogen, indem sie unsern neuen Nachbarn Kosmetiktipps gibt, also den weiblichen und vorerst noch umsonst. Zu Halloween will sie eine Party veranstalten. Sie näht mit den andern Weibern schon fleißig kürbisgelbe Kostüme. Die Rosakakaduhenne sieht darin vielleicht dämlich aus! Ich könnte mich wegschmeißen über die mickrigen Krempenhütchen der Kanarienvögel. Am andern Ende des Grundstücks wohnen sogar Nandus, ihr wisst schon, diese graupuscheligen Laufvögel mit den kleinen Köpfen. Mit denen haben wir aber wenig zu tun. Man sieht daran zumindest, dass es nicht langweilig wird.



Am Anfang war es noch ungewohnt, den ganzen Tag draußen zu verbringen. Doch man gewöhnt sich schnell daran. Woran ich mich aber nicht gewöhne, ist das ständige Gebrabbel des Wellensittichschwarms weiter links neben uns. Maaaann, das tötet einem vielleicht den Nerv! Jetzt habe ich Regeln aufgestellt, wann Ruhezeiten einzuhalten sind und wann sie sich unterhalten dürfen. Noch klappt es leider nicht reibungslos, daher werden Sanktionen nötig (zusammenfalten, Kloppe androhen und die Kolbenhirse durchs Gitter nach draußen schmeißen). Insgesamt wissen sie aber schon, wer hier der Herr im Haus ist. Da ich mich so gut mache, ist bereits unser neuer Herbergsvater an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich ihm nicht bei der Organisation des ganzen Vogelladens behilflich sein möchte. Ha! Hab ich's doch gewusst – ohne mich geht es nicht. Ich bin jetzt Manager. Ich kann euch sagen, dagegen ist Pits Geschäftsführerposten ein Fliegenschiss. Ich habe den ganzen Tag alle Krallen voll zu tun. Es ist ein schöne Erfahrung, wenn alles flutscht und die Alexandersittiche stramm stehen vor Ehrfurcht. Die Mia wird wahrscheinlich nach Halloween in der Verwaltung anfangen und die Kassenbücher führen. Auf uns warten viele neue Aufgaben.

Natürlich haben wir bei alledem auch an die Putze gedacht. Es ist ja nicht so, dass wir schlechte Jahre bei ihr hatten. Sie so traurig zu sehen beim Gedanken an den  Abschied hat uns schon einen Stich versetzt. Deshalb habe ich mich um Nachfolger bemüht. Bei „Fell, Federn, Schwarte – dem heißen Flirttreff“ habe ich eine  Annonce aufgeben. Glücklicherweise gibt es dort nämlich jetzt auch eine Online-Version, und die ist kostenlos. Folgenden Text habe ich geschrieben:


Suche zwei Mitbewohner mit Flügeln (!) für bedürftigen Haushalt. Vorhanden sind eine alte Frau und zwei zu vernachlässigende Fledermäuse. Unterkunft und Verpflegung sind gut, doch darüber hinaus werden Anstrengungen erwartet zu den Bereichen Haushaltsführung, sozial, emotional und Kommunikation. Der männliche Part sollte intelligent sein, furchtlos, reisefreudig und journalistisch interessiert. Er muss natürliche Autorität ausstrahlen, moralische Grundsätze vertreten und das gewisse Etwas mitbringen. Beim weiblichen Part reichen schöngeistige und modische Ambitionen. Das Zusammenleben ist auf Dauer angelegt. Es erwartet die Mitbewohner eine Aufwandsentschädigung in Form schöner Reisen und eigener PC-Accounts. Ernstgemeinte Antworten mit Fotos bitte an Max von Gelbnacken.

Was soll ich sagen? Die Leute haben uns die Bude eingerannt. Die Mia und ich hatten alle Hände voll zu tun, den Schrott auszusortieren. Die Tölpelhenne kam gar nicht in Frage (zu laut) und der alte Seeadler auch nicht (er trank). Am Ende, nach vielen, vielen Stunden des Sortierens und Befragens, blieben zwei Treffer übrig, von denen wir meinen, dass sie gut zur Putze und dem Roosevelt und Otis passen. Sie sind bereits eingezogen. Von ihnen kommen positive Nachrichten. Die Putze ist nämlich nicht dem Wahnsinn verfallen, nachdem ich nicht mehr auf sie aufpassen kann. Es geht allen gut.

Nun, das beruhigt auch die Mia und mich. Wir können uns jetzt ganz unsern neuen Aufgaben widmen. Die Zeit ist gekommen uns zu verabschieden. Wir gehen mit Wehmut, denn wir denken an die vielen schönen Reisen und Abenteuer, die wir mit euch erleben durften. Habt Dank für eure Freundschaft und für euer Engagement, das diesen Blog hier über zehn Jahre lang aufrecht erhielt. Ihr seid tolle Leute! Passt auf euch auf, bleibt gesund und allseits neugierig und positiv in euren Gedanken. Wir werden euch nie vergessen!
 

Euer Max und eure Mia

P.S. Dürfen wir euch noch um etwas bitten? Unterstützt bitte unsere beiden Nachfolger. Sie haben unsere Flugkarten zum Mount Everest bekommen und werden mit euch auf Reisen gehen. Nehmt sie bitte wohlwollend auf. Sie lernen noch. Habt Spaß mit ihnen. Sie sind wirklich ganz nett. Ihren Blog findet ihr hier: 

https://boff-reporter.blogspot.com/

© Max: Papageiengeschichten

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Tschüs, Tibi

2004 - 2019



Unsere Freundin Tibi hat uns verlassen. Sie ist jetzt auf der großen Hundewiese.

Ich bin sehr traurig und entsetzt, dass sie nicht mehr bei uns ist, obwohl ich weiß, dass wir bei solchen Dingen nicht gefragt werden. 

Der Verlust schmerzt, und ich denke an die vielen Jahre, die wir gemeinsam hier auf meinem Blog oder drüben auf ihrem Blog verbracht haben. Tibi und ich kannten uns schon lange. Sie hat damals fleißig bei den Sonntagsrätseln mitgeraten, sie hat meine Geschichten gelesen, sie hatte immer einen netten Kommentar für mich übrig – und sie hat mir hübsche Postkarten geschickt, wenn sie verreist war. Die habe ich alle aufgehoben.

In Tibis Leben gab es ein Eckchen, wo ich sein durfte, ich, der Grünschnabel, von dem manche behaupten, dass ich ziemlich garstig und großmäulig sei. Aber Tibi hat trotzdem ein bisschen Platz gemacht in ihrem großen Herzen. So dufte ich miterleben (mitlesen), was Tibi so alles erlebt hat, und das macht mich froh und dankbar. Es war eine schöne Zeit.

Jetzt kann ich es ja sagen: Manchmal zwischendurch ist mir angst und bange geworden, weil es Tibi nicht gut ging, gar nicht gut. Die epileptischen Anfälle machten ihr zu schaffen und dann fiel ihr zunehmend das Laufen schwer. Mir ist noch in Erinnerung, wie wir einmal richtig dolle gezittert haben, dass sie gut wieder auf die Beine käme. Eine Tierärztin wollte sie sogar schon vorzeitig in den Hundehimmel schicken. Ist das wirklich schon drei Jahre her? Aber Tibi war tapfer und ihr Frauchen und der Chef haben nicht aufgegeben. Sie haben Tibi liebevoll gepflegt, ihr geholfen, wenn doch wieder die Anfälle kamen und es Tibi ganz schummerig im Kopf wurde. Statt Laufen gab's einen Buggy. Mit dem kam sie noch ordentlich herum: auf Spazierfahrt, zu den Hundekumpels der Nachbarschaft, und sogar Ausflüge haben die drei unternommen. Ich bin mir sicher, Tibi hatte noch ihre Freude – trotz der Krankheiten und der Unbilden des Alters. Es war ja nicht alles durchgehend schlimm, und Liebe und verwöhnen von Herrchen und Frauchen haben bestimmt einiges wettgemacht.

Doch nun ist sie müde geworden. Sie ist gegangen. Wir bleiben zurück. Ich werde sie in Erinnerung behalten, so wie ich sie kennen und lieben gelernt habe. Und dennoch sehe ich sie jetzt flitzen und springen und toben und buddeln, dass ihr die Erde nur so um die Ohren spritzt. Das gefällt mir gut. Wie war das noch mit dem Kopfweh und den steifen Knochen? Lauf, Tibi, die große Hundewiese ist dein.

Dein Max

P.S. Das Foto habe ich von ihrem Blog gemopst. Ich finde, darauf sieht sie besonders niedlich aus. Sicherlich wird mir Tibi diesen Diebstahl verzeihen.


Foto: © S. W.
© Max: Papageiengeschichten  

 

Donnerstag, 12. März 2015

Diva
2009 – 2015



„Wo ich bin, da ist hinten“, hat Diva mal gesagt.

Ja-ha, aber nicht im Herzen der Menschen. Sie meinte die Reihenfolge beim Nachmittagsspaziergang, wir meinen die Freude, die wir an ihr hatten, an ihrem herrlichen Gesicht, an ihrer Art, die Welt zu meistern, und natürlich an den vielen Fotos, die uns zeigten, was Diva so machte und wie sie lebte.

Darüber sind einige Jahre vergangen. Wohl keiner von uns hätte gedacht, dass dies je ein Ende haben könnte, denn Diva schien nicht ernstlich krank zu sein. Ihr Blog gehörte dazu, war immer da, wurde gepflegt, wurde besucht, so als sei er durch nichts zu erschüttern. Das haben Institutionen so an sich: Man kommt gar nicht auf den Gedanken, dass es mal anders sein könnte. Und doch ist es passiert, buchstäblich von der einen Sekunde auf die andere. Diva ist bei einem Ausflug an der Mosel tot umgefallen.

Dass die Sonne schien und Diva am Wasser starb, das sie so gern mochte, macht das Fassungslose nicht greifbar. Einen Sinn kann ich darin nicht erkennen, obwohl ich weiß, dass das Leben nicht gerecht ist und es deshalb keinen Sinn hat, nach dem Sinn zu fragen. Aber etwas zum Festhalten möchte man haben, etwas, das einen versöhnlicher stimmt mit dem Grausamen der Endgültigkeit.

Und sicherlich sitzt der Kloß im Hals noch einmal zwei Zentimeter tiefer, weil Divas plötzliches Ende auch uns so gnadenlos vor Augen führt, wie schnell es mit uns zu Ende sein kann – ohne Vorwarnung, ohne Vorahnung. Wir sind mit unserer Endlichkeit konfrontiert, dazu mit unserer Erinnerung an die schlimmen Schmerzen, die unser eigenes Herz verkrampften, als wir selbst einen unserer Liebsten verloren.

Dass  die Trauer die Kehrseite der Liebe ist, macht es nicht einfacher. Ich fände es aber auch nicht gerecht Diva gegenüber, wenn neben all dem Schweren der Stunde kein Platz wäre für das Fröhliche und für das Leichte, das Diva doch so herrlich lebte. Ich möchte sie so in Erinnerung behalten, wie ich dachte, dass sie war. Und für mich war Diva vor allem eins:

Die Queen des gepflegten Energiesparens.

Hier mit Donna

Oder anders ausgedrückt: My Couch is my castle. Soll sich dieser Rolf Benz doch woanders draufsetzen. 



Aber diese effektive Art, den Organismus vor Überanstrengung zu bewahren, ist selbstverständlich nicht gleichzusetzen mit Verantwortungslosigkeit. Ganz im Gegenteil, Diva hatte wichtige Aufgaben zu erfüllen.

Da wäre zum Beispiel den Rhein zu beaufsichtigen, und das möglichst täglich. An- und Abreise waren jeweils zu Fuß zu absolvieren; einen Shuttle-Service gab es nicht.


Oder die Menschen zu bespaßen, indem man sich dusselige Verkleidungen anhängen ließ. Die Zweibeiner kriegten das Jauchzen, einem selbst kratzte das Ding blöde am Teint. Aber was machte man nicht alles für die häusliche Heiterkeit?


Und dann mussten die Menschen natürlich regelmäßig an die frische Luft. Diva hat sie Gassi geführt. Eisern. Bei jedem Wetter. Und wehe, die haben genölt: „Ich will aber nach Hause!“ Nix da, Bewegung ist gut für die Verdauung. 


Da es daheim – leider, man muss es mal deutlich aussprechen – keine ausreichende Versorgung mit Matchwasser gab, musste sich Diva selbst drum kümmern. Verwöhnen geht anders. Geklagt hat sie nie, auch nie nach Luxus gerufen. 


Und schließlich wollte Donna noch unterhalten werden. Rennen, spielen, rennen. Selbstlos hat sich Diva auch hier in die Pflicht nehmen lassen. Sie hatte eben ein großes Herz. 


Mach's gut, Mädchen. Sicher wirst du deine geliebte Emma wiedersehen. Und grüß mir den Angus. Der hat's auch gern gemütlich.

Wo ihr seid, das ist nicht hinten, da ist vorn. Ihr habt mein Leben bunter gemacht, und daran erinnere ich mich gern. 

Dein Max

Fotos: © Diva

Dienstag, 10. März 2015

Bye-bye, Angus

Ja, ihr lest richtig. Angus ist von uns gegangen. Mein lieber Freund Angus.



Wenn ihr's nicht schon wisst, dann seid ihr jetzt bestimmt genauso entsetzt, wie ich es war, als ich gestern nur mal schnell auf Angus' Blog schauen wollte, um zu sehen, was der Knabe so treibt. Doch statt des gewohnten schwarzweißen Gemeckers über die Hektik der häuslichen Zweibeiner („Dass die nie mal entspannen können!“) schrieb – ganz ungewohnt – Tante Manou.

Auch da hatte ich mir noch nicht viel gedacht, weil manche von uns ihre Futterknechte ja gelegentlich an die Tastatur lassen, sofern der Wechselkurs stimmt, doch dann schreiben die was anderes, vielleicht was Lustiges, jedenfalls nichts von der Regenbogenbrücke und auch nichts vom Grab, das jetzt im Garten ist.

Erst da hatte ich es kapiert – der Angus lebt nicht mehr.

Das darf doch nicht wahr sein! Mensch, man geht doch nicht einfach so, ohne was zu sagen! Aber dann habe ich nachgedacht und mir ist eingefallen, dass man manchmal nicht viel Zeit hat, um groß zu überlegen. Tante Manou schreibt, er hat bei der Tierärztin auf dem Tisch gelegen für eine Ultraschalluntersuchung. 14 Jahre alt war er. Und dann ist er dort gestorben. Ohne viel Worte. Ist einfach gegangen.

Einfach? Ach, wer weiß das schon?

Ich finde, es passt zu ihm. Angus war niemand für viele Worte und noch weniger für laute Worte. Ein bisschen stur war er – Sternzeichen Stier eben, die haben nun mal 'nen Betonschädel; ich weiß, wovon ich rede (ich sag nur: Putze). Dafür sind sie aber erdig, verlässlich und solide.

Ich weiß nicht, ob Angus verheiratet war (darüber haben wir nie gesprochen). Nee, ich glaub, das war er nicht. Aber wenn, dann war er der Typ Mann, der allenfalls den Fressnapf zur Spüle getragen hat, aber sonst seine Ruhe haben wollte. Und das Irre: Die Frauen wären ihm sogar noch entgegengelaufen, nur um ihm den Napf abzunehmen. Es gibt solche Männer; die brauchen einfach nur da zu sein und das reicht.

Angus war so einer. Ich hab' s ihm gegönnt. Außerdem hatte er's auch schwer, das sollte man nicht vergessen. Immer dieses olle Wassertreten gegen die Schmerzen in den Knochen. Dauernd da hinfahren, warten, durch die Fluten stampfen, das Fell nass, der ganze Tag im Eimer – nä! 


Und dann noch als Gipfel sich in diese doofe Themo-Pelle zu quetschen, weil das gut sei für dies und jenes. Wie sieht das denn aus! Muss man davon auch noch ein Foto machen? Aber da kommt Angus' Charakter zum Vorschein: Er trägt die Gummiwurst mit Würde, fast wie ein Model. – Okay, er guckt etwas verkniffen, aber das lag nur am Licht, das hatte ihn geblendet.


Außerdem war Angus ein prima Hirtenhund. Als Bordercollie musste er das auch sein, aber er hat nicht etwa Schafe gehütet, das kann ja jeder, sondern er war zuständig für die Segurity auf den Verkaufsveranstaltungen von Tante Manou. Diesen Job hat Angus sehr ernst genommen. So viel ich weiß, hat sich in all den Jahren niemand im Garten verlaufen, keiner hat sein Hanuta-Papier ins Gebüsch geworfen und spätestens abends, wenn es dunkel wurde, ist noch jeder aufgestöbert und zur Gartenpforte geleitet worden. Angus war überaus akkurat im Berufsleben, dabei gänzlich unhektisch und immer freundlich zu allen.

Dass so jemand nun gehen muss?

Ach, ich seh ihn direkt vor mir. Angus, wie er jetzt die Wolken abschreitet, leichtfüßig und ein wenig federnd in den Gelenken (DORT benötigt man keine Aquatherapie). Er gelangt zur Anmeldung, doch zu sagen, wer er ist, braucht er nicht, denn man weiß bereits, dass ER da ist. Also legt sich Angus hin, Pfoten auf die Wolke, der Wind spielt sanft in seinem seidigen Fell, Angus hebt nur leicht eine Braue, und schon stürzen die Englein davon, um rasch die Fenster zu schließen –  es zieht!



Ja, Angus, such dir ein schönes Plätzchen.

Bye, mein Freund. Es war schön, dass ich dich kennen durfte.

Dein Max

Fotos: © Manou

Sonntag, 26. Januar 2014

Mimi-Brutus

Das Gras, die Hänge und die Wäldchen hinterm Haus werden ihn vermissen, den alten Haudegen.


Der Grunzer-Clan hat ein Mitglied verloren. Mimi-Brutus kam nicht mehr nach Hause. Alle Suche mit Auto, zu Fuß und mit Taschenlampe blieb ergebnislos. Doch gestern haben seine Leute ihn gefunden, tot in einer Wiese, ganz nass, aber mit friedlichem Gesichtsausdruck.

Vielleicht war seine Zeit gekommen. So wie er vor elf Jahren einfach plötzlich da war und da blieb, so ist er gegangen: lautlos, ohne Ankündigung, aber wie ein leuchtendes Ausrufezeichen inmitten der Gegenwart, die zuerst keine Vergangenheit hatte und nun keine Zukunft mehr. Er war eigenwillig und nicht immer freundlich. Deshalb hieß er Brutus hinterm Mimi. Im Sommer strich er tagelang durchs Gehölz, kam nur zum Fressen heim, schlug der Tante Uschi schon mal die Kampfutensilien ins Fleisch oder nahm die kleinen Katzenkumpels in den Schwitzkasten. Im Winter schlief er zu Hause – im Katzenklo.

Kann man so jemanden lieben? Jemanden, der alle Regeln selbst bestimmte und von allen verlangte, dass man sie befolgte, ohne sich um Dankbarkeit zu kümmern oder wenigstens um deren Schein? 


Mimi-Brutus war ein bemerkenswertes Geschöpf, ein Familienmitglied ohne Wenn und Aber. Er hinterlässt Trauer und eine Lücke. Natürlich. Was für eine Frage: ja, ja und nochmals ja.

Mach's gut, Kumpel. Viel Spaß im Jagdparadies. Aber halt den geflügelten Mäusen nicht deinen Bauch hin, damit sie ihn streicheln wollen und du sie dafür beißen kannst. Das funktioniert nicht mehr. Ich hab's nämlich schon gepetzt. 

Fotos: © U. W. 

Mittwoch, 4. Juli 2012

Zum Gedenken an Omi Ingrid

Es gibt Momente, da stehen meine Gedanken still. Da bin ich ein ratloser Papagei. Ein Stich geht mir durchs Herz, ich muss schlucken, und ja, die Federn um meine Augen werden auch ein wenig hm, hm ... ziemlich feucht. Langsam wird mir bewusst, dass der bunte Reigen jener Menschen und Tiere um mich herum, die mir so lieb und teuer geworden sind, nicht mehr komplett ist, dass jemand fehlt.

Zwar bin ich erst neun Jahre alt, und man sagt, dass es mir noch sehr an Lebenserfahrung mangeln täte, doch eins habe ich jetzt schon begriffen: Der Tod macht nicht vor unsern Wünschen halt. Es interessiert ihn einfach nicht, ob ich mit seinen Tatsachen einverstanden bin. Trotzdem bin ich entsetzt, wenn diese Wahrheit dann wirklich eintritt. Man hofft ja immer, dass man selbst davon verschont bliebe. Doch jetzt ist es so weit: Ich habe jemanden verloren, den ich sehr gern mochte. Die Omi von Pit ist von uns gegangen.

Vielleicht wird sich mancher fragen, ob es der richtige Ort sei, ausgerechnet auf einem albernen Papageienblog eines geschätzten Menschen zu gedenken. Schließlich haben hier Tiere das Sagen, schließlich hat der Max nur Quark im Kopf, und schließlich kriegt er ernst sein sowieso nicht hin. Doch, das schafft er. Und ja, ja, ja und nochmals ja … es ist der richtige Ort. Wisst ihr, warum? Ich habe mit Omi Ingrid gelacht, ich hatte meinen Spaß mit ihr, ich habe mich an ihren Geschichten und Kommentaren erfreut, und dann soll ich mich nicht von ihr verabschieden, soll so tun, als wäre nichts geschehen, als hätte ihr Tod nicht die gleiche Achtung verdient wie mein Dank für die Freude, die sie mir geschenkt hat? Das will mir nicht in den Kopf. Von meinem Entsetzen darf ruhig alle Welt wissen. Der Max ist traurig, hört ihr? Traurig. Und Omi Ingrid war toll.

Jawohl, das war sie. Sie hat uns an ihrem Leben teilhaben lassen. Wie gern habe ich ihre Fotos geguckt, hab ihre Reportagen gelesen, wenn sie von daheim berichtete. Ich bin mit ihnen umgezogen, hab die Ankunft von Amy miterlebt und all den Unsinn, den Katzen, Hunde und Pferde veranstalteten, dokumentiert zu unserm Vergnügen. Aus Omi Ingrids Worten sprach viel Zärtlichkeit. Ihre Liebe zu den Tieren (den lebenden und den toten) und zu ihrer Familie war allgegenwärtig. Sie musste sich nicht extra anstrengen, um das rüberzubringen, das merkte man auch so sofort. Sie war ein herzlicher Mensch. Ein verlässlicher, interessierter und kreativer dazu. Das kann ich mit gutem Gewissen behaupten, obwohl ich sie ja leider nicht persönlich kannte.

Auch mir hat sie lieb über den Scheitel gestreichelt. Okay, da war auch öfter mal ein Anranzer dabei. Den hatte sie dem Pit eingeflüstert, damit er mir das unauffällig entgegenschnauzt, doch daran war nichts verkehrt, denn dafür sind Omis schließlich da. Sie sollen uns ihre Weisheit weitergeben, nicht wahr? Es kann aber sein, dass ich manchmal ein bisschen schwer höre. Dann muss man halt ein wenig lauter brüllen. Danke, Omi Ingrid, es ist alles angekommen.

Schade, ihren tollen Kartoffelsalat werde ich nun nicht mehr probieren können. Dafür aber hat unsere Mama Omi Ingrids Weißkohl auf dänische Art nachgekocht. Das will was heißen, weil unsere Mama nicht gerade das ist, was man eine passionierte Köchin nennt. Sie hat nach Anweisung immer ordentlich gerührt, damit nichts anbrennt. Ich weiß das, ich hatte das nämlich vom Küchenschrank aus überwacht.

Ach, es gibt noch so viele schöne Erinnerungen. Das Herrliche an Erinnerungen ist: Man kann sie immer wieder hervorholen. Sie sind wie Schokohäppchen, sie machen den Alltag süßer. Dann muss ich lächeln. Dann aber wieder macht es mich traurig, weil keine neuen Erinnerungen dazukommen werden; Omi Ingrid ist ja nicht mehr da. Umso mehr freue ich mich, dass ihr Vierbeiner-Blog weitergeführt werden soll. Natürlich bin ich wieder mit dabei. Ich wünsche Susanne von Pit alle Kraft bei ihrer neuen Aufgabe. Auf diesem Weg wird Omi Ingrid uns weiter begleiten. 

Jetzt habe ich viel geredet – ich weiß, das meiste über mich. Bin ich egoistisch, weil ich euch erzähle, wie es mir geht, wenn ich an Omi Ingrids Tod denke? Eins habe ich jedoch nicht vergessen: dass meine Trauer nichts ist gegen den Schmerz, den ihre Familie jetzt erleiden muss. Ich sende Omi Ingrids Familie mein aufrichtiges Beileid. Danke, dass ihr mir erlaubt, diesen Post zu  schreiben.

Der Augenblick meines Abschieds ist gekommen.




Schau, Omi von Pit. Diese Fotos hattest du selbst gemacht. Erinnerst du dich? Wie schön der Himmel ist. Jetzt gehört alles dir.

Dein Max


© Fotos: Ingrid W.

Samstag, 17. März 2012

Hinterm Regenbogen


Das ist Duffy. Auf diesem Bild ist sie noch ganz klein. Und jetzt lebt sie nicht mehr.

Uschi und Klaus, die Menschen der Grunzer-WG, müssen wieder mit einem Verlust fertig werden. Vorgestern ist Duffy in ein Auto gelaufen. Sie war wohl sofort tot.

„Was ist bloß los?“, möchte ich in den Himmel schreien. Es ist ländlich dort, viel Grün, viel Platz, viel Natur. 10 Jahre ist nichts passiert (abgesehen von jenen Katzen, die an Krankheit oder Alter gestorben sind), doch jetzt ist es innerhalb eines Jahres schon der dritte tödliche Unfall: erst Mikesch, dann der kleine Morris und jetzt Duffy.

Sie war auch noch sehr jung, hätte noch viel Schönes vor sich gehabt, ein liebevolles Zuhause allemal, bei Menschen, die sich um sie kümmerten, und Kumpels, mit denen sie spielte.

Und morgen hat Tante Uschi Geburtstag! Welch dunkler Schatten auf diesem Tag.

Ich wünsche dir eine gute Reise, kleines Tiger-Mädchen. Komm gut dort an, wo jetzt dein neues Zuhause sein wird. Unsere Gedanken begleiten dich. Unsere guten Wünsche auch.
  
 © Foto: U. W. 

Dienstag, 20. September 2011

Mach's gut, Kleiner

Das ist Morris. Er durfte nur 7 Monate alt werden. Er lebte im Haushalt vom Grunzer und Stiesela.
 
Und wieder müssen Uschi und Klaus, die Menschen von all den Katzen und Vögeln, Abschied nehmen. Seit ich die beiden kenne und wenn ich richtig rechne, dann war dies mindestens sechs Mal nötig. Manche Katze kam nicht wieder, andere hatten einen Unfall oder sind nach Krankheiten gestorben. Um jedes Leben haben die beiden gekämpft, haben es behütet, versorgt, sind zum Tierarzt gefahren, und waren unendlich traurig, wenn sie dem Schicksal doch nichts mehr entgegensetzen konnten.

Als ihr geliebter Kater Mikesch im Mai gestorben war, hatten sie den kleinen Morris zu sich geholt. Da war er noch ein Kitty. Er hatte ein nettes und positives Gemüt. Er hat den beiden nur Freude gemacht, und auch die beiden Katzenmädchen Lucy und Duffy hatten ihn bald als Spiel- und Kuschelkameraden ins Herz geschlossen.

Und dann passierte, was manchmal passiert, obwohl man noch so Acht gegeben hatte. Situationen stellen sich im Nachhinein als anders heraus als angenommen. Es liegt eben nicht alles in unserer Hand, wir können nicht alles regeln, nur weil wir es uns wünschen. Das Ergebnis ist schrecklich und endgültig. Der kleine Morris wurde von einem Auto angefahren. Er starb beim Tierarzt. Doch glaube ich nicht, dass Uschi dies hätte verhindern können. Deshalb verstehe ich zwar, dass sie sich Vorwürfe macht, aber Schuld hatte sie daran ganz bestimmt nicht. Freigängerkatzen leben nun mal gefährlich, und schöner als in dieser ländlichen Gegend können es Heimtiere kaum haben. Dass selbst dort Autos vorbeikommen, liegt nicht in unserer Macht.

Morris (links) mit Lucy
Immer wieder eines seiner geliebten Tiere hergeben zu müssen ist schrecklich – die Angst davor auch. Gerade erst drehten sich alle Gedanken um Domino, eine der beiden Blaustirnamazonen. Sie war sehr krank, musste stationär aufgepäppelt werden. Jetzt bekommt sie ihre Medikamente daheim und muss zweimal täglich inhalieren. Auf dem Foto hier unten seht ihr sie im Käfig. Davor sitzt ihr Partner Sir Bubi, der ganz aufgeregt ist, weil er sie nicht aus den Augen verlieren will. Die Zeit allein, als Domino in der Klinik war, hat er nur schlecht verkraftet. Er hat nicht verstanden, warum seine Partnerin plötzlich weg war. Und jetzt, wo sie wieder da ist, hat er offenbar Angst, dass das Gleiche wieder passieren könnte.

 
Zu all dem Bangen um Domino kommt nun noch die Trauer um Morris. Leb wohl, kleiner weißer Sonnenschein.

Weißt du, Tante Uschi, glaub mir: Wir Tiere wissen, wenn es jemand gut mit uns meint. Und wenn mal etwas schiefläuft: Übrig bleiben Liebe und Dankbarkeit, kein tadelndes „Warum hast du nicht?“ Das solltest du mitnehmen zum nächsten kleinen Kater, der – hoffentlich – bald bei euch einziehen wird. Er wird sich freuen über sein schönes neues Zuhause, und Morris kann dann ja vom Himmel aus seinen Erziehungssenf dazugeben. Dabei hilft er sicher gern.

© Fotos: U. W.

Samstag, 14. Mai 2011

Mikesch

Manchmal muss man plötzlich Abschied nehmen.

Mikesch (rechts)

Kater, Mitbewohner und Freund vom Grunzer-Schwarm. 

Er wurde heute vor der Haustür überfahren.

Er war lieb zu den Katzenmädchen, die nach und nach zur Familie kamen und einen großen Bruder gut gebrauchen konnten.

Erst vor wenigen Wochen hatte Mikesch einen traumatischen Unfall. Er fraß nichts und trank nichts. Dann ging es ihm wieder besser. Er war bereit für einen neuen Start, aber gegen das Auto hatte er keine Chance.

Mikeschs Mama und Papa, Uschi und Klaus, helfen jedem Tier, das Hilfe braucht. Sie setzen sich noch abends in den Wagen und fahren viele Kilometer, nur um einen einzigen Igel durchzubringen. Waisentiere bekommen ein neues Heim und über Tierarztkosten wird gar nicht erst geredet. Nicht immer lohnt das Leben diese Mühen. Sie haben schon viele Tiere verloren. Mikesch hat einen großen Platz in ihrem Herzen. Den wird ihm niemand streitig machen. Doch wenn man sich plötzlich mit der Erinnerung begnügen muss, wo man gerade eben noch lebendiges Fell gestreichelt hat, kratzen die Gedanken über die Seele wie Schleifpapier: rau und unbarmherzig.

Mach’s gut, großer Kater. Dein Zuhause ist jetzt woanders.

©Foto: U. W.

Sonntag, 13. März 2011

Good bye, Coco

Manches weiß ich einfach nicht, zum Beispiel, wie man in seinem Herzen ein bisschen Licht macht, wenn man furchtbar traurig ist. Ich meine, ich habe ja begriffen, dass wir alle nur auf der Welt sind für eine bestimmte Zeit und dass wir gehen müssen, wenn unsere Zeit um ist, aber was in meinem Kopf Sinn ergibt, muss noch lange nicht mein Herz interessieren. Dort ist es gerade sehr finster, mein Magen ist klumpig und in meinem Hals steckt so was wie ein Riesenknödel, aber nicht, weil ich ihn gegessen hätte, sondern weil ich meinen Freund Coco vermisse. Er ist nicht mehr da. Er ist heute gestorben.

Und jetzt sitze ich hier mit einer schwarzen Gardine vor meinem Denken. Viele Worte habe ich nicht mehr, die ich nun schreiben könnte, denn sie begleiten gerade den Coco in seine neue Heimat. Ich leihe sie ihm gern aus. Mögen die Klänge, das Licht, die Winde und die Wärme ihm ebenfalls Geleit geben. Und dann soll er sich melden, wenn er angekommen ist. Und Bescheid sagen, wenn er sich eingerichtet hat. Ich werde dann schon wissen, dass die extragroße Portion Glücksschauer von ihm kommt, wenn ich demnächst in den Sternenhimmel schaue.  

Bestimmt warten schon der Chicco, der Lee, die Oma Granny Paula und all die andern toten Freunde auf ihn. Vielleicht haben sie ihm ein Büfett gemacht mit Nudelsalat und Erdnüssen, Pfannkuchen und Käseplatte. Sie nehmen ihn in die Flügel, drücken ihn und zeigen ihm, was alles Tolles er dort erleben kann. Er wird sich leicht fühlen und frei, weil er kein Leid mehr hat. Er darf alles essen, darf fliegen bis zum Abwinken und alles zerschreddern, was ihm unter die Krallen kommt. Niemand wird ihn dafür tadeln, höchstens die Oma Granny Paula ein wenig, weil sie wert legt auf gute Manieren, egal wo. So ist sie nun mal, da kann man nichts ändern.

Wenn ich daran denke, muss ich ein bisschen lächeln. Es klingt so gut, dass ich fast finden könnte, unser Leben hier auf der Erde wäre nur ein doofer Abklatsch, voller Entbehrung und Einschränkung. Aber ich bin überzeugt, dass das Bequeme und Angenehme nur schön strahlt vor einem dunklen Hintergrund. Der Coco hatte es schwer, kurz bevor er gestorben ist, aber er hatte es auch gut, weil er bei Leuten leben durfte, die ihn lieb hatten. Ich weiß nicht, ob tote Tiere, dort wo sie jetzt sind, viel an uns, an die Zurückgelassenen, denken. Das ist es ja gerade: Ihnen geht es prima, sie haben viel zu tun mit einrichten, sich zurecht finden, ummelden, die neuen Nachbarn kennen lernen, aber wir bleiben zurück und fühlen den Verlust mit aller Wucht. Unser Leben ist noch immer so wie vorher, nur dass jetzt ein Platz leer ist - und das tut so verdammt weh.

Trotzdem glaube ich, dass der Coco uns nicht vergisst. Er ist ein treues Familienmitglied und ein aufrichtiger Freund. Er kann Liebe von Zufall unterscheiden. Ganz bestimmt wird er auf seiner Einzugsparty das Glas heben und in Richtung Duisburg prosten. Der erste Schluck wird für seine geliebte Mama Gisela sein, der zweite für seinen Papa, der dritte für Cora und der vierte für Julia, Philipp und Tobias: from Coco with love. Noch oft werden sie später zusammensitzen, die neuen alten Freunde, und sich Geschichten erzählen von daheim, von ihren Erlebnissen, von ihrem ersten Leben, von uns.  Wir machen es ja genauso. Die Erinnerung an unsere  Lieben wärmt unser Herz, auch wenn gleichzeitig eine dicke Kordel alles zusammenschnürt. Unsere Trauer ist ein Zeichen, dass unsere Liebe echt ist.  

Mach’s gut, Coco, alter Junge. Du bist ein feiner Kerl. Pass auf dich auf … und bleib glücklich.

© Max: Papageiengeschichten
© Foto: G. H.