Eins kann ich verraten: Es ist kein Buntstift und nichts, womit man Spiegeleier macht.
Montag, 27. Dezember 2010
Rätsel 10
Weiter geht's. Diesmal in Weiß:
Eins kann ich verraten: Es ist kein Buntstift und nichts, womit man Spiegeleier macht.
Eins kann ich verraten: Es ist kein Buntstift und nichts, womit man Spiegeleier macht.
Sonntag, 26. Dezember 2010
Hilfe - mein Schaschlikspieß!
Ist es zu fassen!
Weihnachten ist noch nicht rum, aber schon wird betrogen und geraubt.
Hatte ich der Mia nicht extra Anweisung gegeben, dass sie ihre Krallen von meinem Schaschlikspieß lassen soll? Und was ist das hier?
Na, der hab ich aber was getutet!
Hier bin ich beim Anpirschen:
Über das, was danach kam, decke ich den Flügel der Lücke. Mein Gott, können Weiber schrill plärren.
© Max: Papageiengeschichten
Weihnachten ist noch nicht rum, aber schon wird betrogen und geraubt.
Hatte ich der Mia nicht extra Anweisung gegeben, dass sie ihre Krallen von meinem Schaschlikspieß lassen soll? Und was ist das hier?
Hier bin ich beim Anpirschen:
© Max: Papageiengeschichten
Samstag, 25. Dezember 2010
Meine Geschenke
Na, wie war’s bei euch gestern? Hat sich die Weihnachtsbescherung bezahlt gemacht, oder hat es ihr an Ergiebigkeit gefehlt?
Also ich kann nicht klagen. Das hier kam von meinem Freund Grunzer:
Okay, ein Lamborghini sieht in Frankenland vielleicht etwas anders aus als im Rest der Welt, aber lila ist schon mal große Klasse. Ich habe die Karre neben meine zitronengelbe "Ente" gestellt; da kommt sie prima zur Geltung. Die Haribo haben auch gut geschmeckt, hätten aber ein paar mehr sein können. Fledermäuse mögen so was nicht, denen tut das Pickel verursachen und Verstopfung - sollte der Grunzer langsam mal wissen. Nicht auszudenken, wenn ich nicht auf alles aufpassen täte.
Dann war noch dies in einem andern Paket:
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Bammelspielzeug für artige Amazonen |
Das Paket ist von Tante Michèle, von ihr und der ganzen Familie. Es hatte so furchtbar geklappert in dem Karton, als ich ihn geschüttelt hatte. Da dachte ich schon, der Pauli wäre drin und würde mit seinen Hasenzähnen und seinen Plastikhaarspangen gegen die Wände scheppern. Ihr ahnt gar nicht, wie froh ich bin, dass nur Spielzeug drin lag. Nicht noch ein Austauschschüler, nicht noch einer! Die beiden dusseligen Schaufelhufen und der australische Weißmützenheini sind genug an Zumutung, aber das ist eine andere Geschichte, davon erzähle ich euch später.
Jedenfalls, die Spielsachen von der Tante Michèle sind super. In Wahrheit sind es noch viel mehr als oben auf dem Foto: gaaaanz viele, alles voll, das ganze Paket. Gebimmel und Gebammel in jeder Größe. Denkt euch - sogar ‘n Schaschlikspieß aus Holzscheiben ist dabei! Den habe ich mir immer gewünscht. Eigentlich muss ich ja alles mit der Mia teilen, doch den Spieß, den kriegt sie nicht! Ich hab ihr gesagt, sie soll die Krallen davon lassen und lieber an den Lederbändern knappern, das täte ihrem Lippenstift viel bessere Schonung erteilen. Vorsichtshalber habe ich den Schaschlik sofort beiseite geräumt. Hier seht ihr mich bei der Vorbereitung auf die erste nähere Qualitätsprüfung:
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Ich mit dem Schaschlikspieß |
Und hier bin ich bei der Liebko… äh … bei der praktischen Anwendung. Och joa, sieht gut aus am Kletterbaum. Liegt auch gut im Fuß. Danke, Tante Michèle, das hast du gut ausgewählt.
Von der Mama und der Mia habe ich natürlich auch Geschenke bekommen. Vom Wunschzettel waren aber nur drei dabei. Das Juckpulver fehlt leider und auch die Zwille mit der extra breiten Einlegeschlaufe für etwas größere Wurfgeschosse. Das finde ich ärgerlich. Die Mama hat wissen wollen, wofür ich das brauchen täte. Dabei hat sie so ‘nen komischen Ton an der Stimme gekriegt, so wie es Leuten passiert, die gerade denken, sie hätten einen noch rechtzeitig vom Doppelmord an zwei harmlosen Ming-Vasen abgehalten. Was die Mama immer hat! Dem Roosevelt ging es doch gut. Nur der Otis war nach der vielen Schokolade noch kackbrauner als sonst und war die halbe Nacht nicht vom Eierbecher runtergekommen. Mich tat das stören, deshalb hatte ich eine Tupperdose drübergestülpt.
So, das war mein Bericht vom diesjährigen Gabentisch. Was sonst noch drauflag, verrate ich nicht. Ihr werdet sonst neidisch. Jetzt gehe ich in die Küche und probier meinen neuen Chemiebaukasten aus. An der Farbe muss ich noch was ändern; die Mama hat sich gestern sehr erschrocken über die neongrüne Bratensoße.
© Max: Papageiengeschichten
Sonntag, 19. Dezember 2010
Rätsel 9
Langsam glaube ich, ihr könntet denken, wir haben alles in Schwarz:
Dies ist wieder leicht. Trotzdem ein Tipp: Es ist kein Frühstücksbrettchen, wo ich mein Nutellabrot drauf schmiere.
Dies ist wieder leicht. Trotzdem ein Tipp: Es ist kein Frühstücksbrettchen, wo ich mein Nutellabrot drauf schmiere.
Samstag, 18. Dezember 2010
Unglaublich …!
Und das so kurz vor Weihnachten. Das
wird der Geschichtsschreibung neue Kehrtwende geben. Ratet mal, was ich entdeckt
habe?
Bei uns war
gestern Adventsbasar im Freizeitheim. Jeder durfte dort ausstellen, was er gebastelt
hatte oder nicht mehr gebrauchen konnte. Wir hatten einen Stand gemeinsam: die
Mama mit ihren selbst gedrehten Pralinen, die Mia mit Tausch von
Geo-Cache-Trophäen und ich mit meinen doppelten Matchbox-Autos. Es gab gut zu
tun, vor allem wegen Geld kassieren, denn Mamas Konfekttütchen waren die
heißesten Semmeln unter all den Strohsternen und den gestrickten Eierwärmern. Und
dann musste natürlich mit jedem Kunden stundenlang geschnattert werden, meist
übers Backrezept, aber wenn den Leuten nichts mehr einfallen wollte, dann tat’s
auch Ansprache über den Schnee und die Qualität der Hallenheizung. Mir war so,
als hätte der Weihnachtsmann mich höchst persönlich fürs Testen seiner Rentierglocken
ausgewählt. Das war ein Gebimmel und Gebammel in meinen Ohren ohne Erbarmen.
Ich bin bald abgehauen. Mal gucken, was die
andern zu verkaufen hatten. Und wie ich da herumklettre von einem Campingtisch
zum nächsten, denk ich, ich guck nicht recht. Da hatte einer Krimskrams vom
Flohmarkt aufgebaut: alte Weingläser mit Oma-Schliff und ‘ne Drahtkatze zum
Anbieten von Salzstangen, dazwischen lag so ‘n gelber Fetzen Papier mit Fransenrand,
so wie man ihn sonst nur zu sehen kriegt im Museum im Guckkasten unter Glas. Ich
habe natürlich gleich gewusst, was für ‘ne Sensation das war, ich tat mir aber
nichts anmerken lassen wegen Runterdrücken vom Kaufpreis. Mein Gesicht war eine
einzige Idiotenmine. Der Mann, dem das Papier gehörte, sollte erst mal
verraten, wo er das Ding herhatte.
„Von meinem Onkel vom Dachboden“, hat er
gemeint. „Keine Ahnung, was es damit auf sich hat."
Dann hat er erzählt, dass sein Onkel
Ägyptologe gewesen sei (das sind Menschen, die sich für vergangenen Wüstensand
interessieren), aber nur aus Hobby. Von all dem vergilbten Papierzeug wäre nur
dieser eine Zettel übrig geblieben. Darauf
täte irgendwas vom Königsfriedhof in Giseh dargestellt sein oder ‘ne andere
Gravur vom Nachbarort, keine Ahnung, er täte sich damit nicht auskennen. Wenn
ich den Zettel haben wolle, für 50 Cent wäre er meiner.
Na, ob ich da zugegriffen habe! Dieser
Schwachkopp – denkt, es würde sich um einen gewöhnlichen historischen Werbeprospekt
handeln: „Heute billig Feigen von der Oase „Anubis“, das Kilo gegen 2 Pfund
Nil-Hecht“ oder so was in der Art. Schön blöd. Jetzt gehört die Sensation mir!
Ich bin sofort nach Hause geflogen. Die Mia
hat mir dafür später den Flügel um die Ohren gehauen, weil sie und die Mama am
Abend alles allein wieder abbauen und nach Hause schleppen mussten, aber das
war mir egal. Der Zettel lag jetzt im Glasrahmen von Mamas Freischwimmerausweis
mitten auf dem Esstisch und ich saß daneben und tat mich in erster Interpretation
üben.
Die Entzifferung ist viel einfacher, als
ich gedacht hatte, zumindest der erste Teil. Ich tu euch das mal erklären, ja?
Hier unten seht ihr den Zettel.
Wie gut zu erkennen ist, geht‘s um eine
Küchenszene. Ein Kantinensklave hält einen Kochlöffel in der Hand. Er möchte
ein Hähnchengericht zubereiten. Das sieht man an der Ente, die über ihm
schweben tut. Sie soll gleich in die Suppe. Links am Rand sind die Messer aufgereiht.
Darunter, unter dem Kochlöffel, werden die Leute vorgestellt, die dann zum Frikassee
erwartet werden, und darüber, oberhalb des Kochlöffels, sind die Gewürzdöschen
beschrieben.
So weit ist alles noch ganz einfach, nicht
wahr? Jetzt aber kommt’s. Seht ihr, was da rechts unten ist? Ganz unten in der
Ecke? Richtiiiiig! Das ist eine Amazone. Schafft ihr Ermessen, was das
bedeutet? Bisher hat es doch immer geheißen, wir Amazonen wären gebürtig aus Mittel-
und Südamerika, aber jetzt taucht plötzlich einer von uns in Ägypten auf, und
das schon vor 5000 Jahren. Wie kommt er dahin? Damals gab’s doch noch keinen
internationalen Handel mit uns. Wie auch, wenn Christoph Kolumbus und seine Amerika-Entdeckung
noch gar nicht geboren waren.
Nun, wenn so etwas voll der Fragezeichen
und voller Ungeheuerlichkeit passiert und niemand da ist, der einem das
erklären tut, dann muss man selbst nach Antwort suchen. Wie gut, dass ihr mich
habt. Es ist nämlich so: Mein Vorfahre, der hier abgebildet ist, muss von Costa
Rica übers Meer geflogen sein. Vielleicht hat er auch ein Floß benutzt und hat
sich von Wasserschweinen rüberrudern lassen, oder Thunfische haben ihn gezogen,
bis er am Strand von Marokko endlich aussteigen durfte. Jedenfalls war es eine
große Leistung. Man braucht Köpfchen dazu. Und Mut. Möwen sind dafür viel zu
langsam, Geier zu eitel und Falken zu blöd.
Wie er dann nach Ägypten gekommen ist, ist
leider genauso wenig aufgemalt wie sein Name und sein Alter. Möglich ist
wiederum, dass er geflogen ist oder mitgeschunkelt auf einem Kamelrücken mit einer
Wüstenkarawane. Irgendwann war er jedenfalls da. Er hat einen wichtigen Beruf
ausgeübt, das steht schon mal fest. Denn sonst wäre er dort nicht hingemeißelt
worden, wenn er nur der Karottenschrapper vom Hilfskoch gewesen wäre.
Wahrscheinlich war er der Berater vom Chefkoch oder der Facility Manager vom
gesamten Kantinenbetrieb. Oder aber er hat sogar als Chemiker gearbeitet. Diese
Leute waren nämlich besonders geachtet, weil sie so tun konnten, als täten sie
das Essen vom König vergiften, damit wiederum die Vorkoster ihren Job machen
durften. So ging alles Hand in Hand. Wer auf Gravur landete, gehörte zur
Palastcreme – und mein Vorfahre war einer von ihnen!
Über die Details muss ich noch weiteres
Kopfzerbrechen machen. Ich werde mal vorsichtige Recherche in Historien-Foren
einholen. Zeit genug habe ich ja jetzt, denn die Mama hat mir Hausarrest gegeben,
weil ich doch gestern ohne Abmeldung abgehauen bin. Ich hoffe, jemand schenkt
ihr zu Weihnachten einen neuen Bilderrahmen, bevor sie merkt, dass da jetzt mein
Wüsten-Dokument drin hängt. Natürlich habe ich ihr nichts erzählt von meiner
Entdeckung. Sie täte es sowieso nicht verstehen. Sie hat mehr Interesse für
Pudding kochen, abspülen und Voliere putzen. Mit solchen Leuten kann man keine
geistige Unterhaltung pflegen.
Aber ihr andern – ihr verratet mich doch
nicht etwa? Ich will nicht, dass mir die Presse die Bude einrennt. Erst mal
muss ich Kontakt herstellen zur internationalen Fachwelt, dann erst tu ich an
die Öffentlichkeit gehen. Also bitte: psst über meine Entdeckung,
Stillschweigen halten.
© Max: Papageiengeschichten
Dienstag, 14. Dezember 2010
Futterberatung
Endlich, darauf hatte ich
gewartet. Mein Termin war da, meine Exklusivberatung bei so ‘ner Mampf-Marie,
die gesundes Vespern studiert hat.
Nicht, dass ich das nötig hätte,
ganz und gar nicht, schließlich bin ich nicht dick, aber wenn man als Hennenheld
weiterhin so erfolgreich sein will wie ich, dann muss man zusehen, dass alles
voller Geschmeidigkeit und Energie bleibt und man nicht aus Versehen was
verschenkt an Potential. Immer nur Hanteln stemmen und Enerschie-Drinks schlucken
tut ja auf die Dauer sehr einseitig sein. Heißt es nicht: „Nur wenn Vitamin und
Folsäure fröhlich pfeifend deine Kloake verlassen, dann hattest du die richtigen
Freunde zu Gast“?
Seht ihr, deshalb wollte ich
meiner Ernährung mal ganz offiziell Absegnung geben. Wir haben hier in der Nähe
eine Weiberschleuse, „Gesundheits-Center“ genannt, wo sich Hausfrauen die
Rundhüften abhopsen und anschließend in der „Relax-Launsch“ sitzen und an Rucola-Blättern
knabbern. Dort tut auch eine Professionelle arbeiten, also eine, die
wissenschaftlich genau weiß, welche Kalorie voller Aufmunterung weitergeleitet
werden darf und welche getadelt werden muss. Bei ihr macht die Gebühr nicht so
ein großes Loch in mein Taschengeld (und in die Ersparnisse vom Roosevelt und
vom Otis), daher hatte ich mich dort zur Anmeldung entschlossen; sonst wäre ich
nämlich lieber zu ‘nem richtigen Kerl gegangen, der auf Männer spezialisiert
ist, im Box-Club zum Beispiel oder bei den Bodybuildern. Aber sie war ganz nett.
Melanie hieß sie. Ihre Figur tat sich gut eignen, um meiner Mama Heulkrämpfe zu
verpassen.
Zum ersten Termin war ich nur
wegen Angucken da. Ich hatte an die Tür geklopft und war auf dem Schreibtisch
gelandet, nachdem sie „Ja, bitte“ gerufen hatte. Sie tat mich anglotzen:
„Du bist ja ein Vogel!“
„Na und?“, habe ich geantwortet. „Ist
das ‘n Problem?“
„Nein, nein“, hat sie schnell
Hinzufügung gemacht (bestimmt, damit ich nicht wieder abhaue und ihr nicht mein
Geld durch die Lappen geht). Sie täte sich nur noch mal rasch in die Materie
einlesen müssen, ich wäre der erste Vogel seit ihrem Examen. Dann ist sie
aufgestanden und hat Zettel aus einem Karton gekramt. Die soll ich mit nach
Hause nehmen, ausfüllen und zum nächsten Termin wieder mitbringen. Das war
alles. Ich bin dann noch kurz unten in der Halle beim Weiber-Imbiss
vorbeigeflogen. Ob sie Currywurst hätten, habe ich den Saftpanscher hinter der
Theke gefragt. Nein? Na, macht nichts, dann täte ich eben zur Pommesbude gehen.
Bei einer Frau mit Ringelwolle um die Waden und Bademantel in Schweinerosa habe
ich freundliche Erkundigung eingeholt, wie rasch denn die Joghurt-Pampe, die
sie da löffeln würde, wirken täte. Nicht so flott, was? Aber sie soll sich
nicht grämen, Buddha und Pavarotti wären schließlich auch dick gewesen und
trotzdem berühmt geworden.
Daheim habe ich die Zettel auf
dem Esstisch ausgebreitet. Was die alles wissen wollten! Gewicht ging ja noch.
Das weiß ich von meiner letzten U-10-Untersuchung. Da hatten sie mich in einen
Eimer gesteckt und auf die Waage gestellt. 588 Gramm tu ich wiegen. Das ist
absolute Spitzenqualität, weil ich groß bin. Jawohl. 40 cm, gemessen vom Schwanz
bis zum Scheitel. Okay, da muss man noch ‘n bisschen was abziehen, weil, wenn
ich stehe, die Beine ja kürzer sind als der Schwanz – aber nicht viel! Ganz
genau kann man das sowieso nicht messen, denn dazu müsste ich mich an so ‘ne
Strichlatte an die Wand stellen. Doch das geht nicht – da ist der Schwanz im Weg. Entweder müsste ich
ihn hochklappen, um den Hintern an die Wand zu drücken, aber dann würde mein
Kopf nach vorne abstehen, oder ich hätte den Schwanz vorne zwischen die Beine
geklemmt und der Hintern täte passen, aber dann wäre der Rücken krumm. So hat
mich die Mama einfach mal flach auf den Tisch gelegt und das Messband angehalten.
Seitdem bin ich eben 40 cm groß – basta.
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Ich vorm Messen |
Ha! Ob ich Alkohol trinken würde, stand da noch. Bin ich der Coco? Und ob es Krankheit in der Familie gäbe, Diabetes oder Jodmangel. Da habe ich hingeschrieben: „Die Mia, meine Mitbewohnerin, tut zu viel Gelee-Bananen naschen, und unserer Mama (Menschenfrau) schwillt der Hals an und glubschen die Augäpfel raus, wenn sie mich zusammenbrüllt.“ Ich tröpfel ihr manchmal heimlich Jod aus dem Medizinfläschchen in die Gulaschsuppe, damit es besser wird, aber hingeschrieben habe ich es natürlich nicht, dort ins Formular, wegen Privatsphäre. Meine Behandlung ist schließlich noch in der Beta-Version, und nicht dass ich später meinen Nobel-Preis mit jemanden teilen muss.
Oder wie es stehe mit Unverträglichkeit
und Allergie. – Ja, hier! Gegen alles Rotobst, gegen Spinat, Lebertran und
Karottensaft. Dann kam der wichtigste Teil: das Mampf-Protokoll. Dazu muss man
eine Woche lang aufschreiben, was man sich in den Schnabel schiebt. Man darf
nichts weglassen, nicht mal den Hustenbonbon zwischendurch. Ich habe sieben
Blätter aus Mamas Taschenkalender gerissen und einen Stift daneben gelegt. Am
nächsten Morgen ging’s los.
Nun, ich will euch keine Langeweile
bereiten mit dem Kopieren der ganzen Liste; ich gebe euch hier nur Ausschnitt
wieder, nämlich den ersten Tag; das tut reichen für einen Eindruck. Ich habe Folgendes
gegessen:
2 Scheiben Toastbrot mit Butter
und Nutella
3 Spekulatius
3 Dominosteine
1/4 Apfel á 50 g
1 Würstchen
3 Esslöffel Kartoffelsalat (mit
Creme fraiche, Erbsen und Majo)
1 Klecks Ketchup
1 Schälchen Vanillepudding
(selbst gekocht)
17 Salzstangen
8 große Paprikachips
14 „Würmer“ (Erdnussflips)
5 Fischli
1 Scheibe Toast (Vollkorn) mit
Quark (40 % Fett)
1 Brathering aus dem Glas
1 Mon Cherie
3 Marzipankartoffeln
Zu trinken:
5 Becher Kakao (Pulver)
1 Glas O-Saft
2 Gläser Cola light
Als die Woche um war, bin ich mit
den sieben Zetteln und den andern Formularen zurück zum Korpulenzzentrum
geflogen und habe sie bei der Mampf-Beraterin in den Briefkasten gesteckt. Danach
musste ich noch ein paar Tage warten, bis sie alles ausgewertet hatte. Am vorigen
Donnerstag saß ich wieder bei ihr auf dem Schreibtisch. Sie tat ernst gucken.
Ich hatte schon Schreck, dass sie mich nun zwingen täte, als Vorzeigemodell für
vorbildliche Ernährung mit auf Seminar zu gehen. Doch sie hat nur geseufzt und „Tja
...“ gesagt. Dann ging das Gesäusel los:
„Mein lieber Max ...“
Wenn Weiber schon so anfangen,
braucht man seine Gehirnzellen gar nicht erst zum Apell antreten zu lassen,
dann stellt man seine Ohren am besten gleich auf Orkan.
„Weißt du denn, was Amazonen so
essen?“, hat sie wissen wollen.
„Natürlich“, habe ich
geantwortet. „Steht doch alles auf meinen Zetteln drauf.“
Nein, das täte so nicht ganz stimmen,
machte sie Behauptung, bei meinen Verwandten in Costa Rica oder wo genau ich
herstamme wäre es ein klein wenig anders.
„So?“
Was geht mich der Futterplan
meiner Cousins und Cousinen im Dschungel von Nicaragua an? Ich tu sie ja noch
nicht mal kennen.
„Sie ernähren sich von frischem
Obst, pflücken Bohnensamen von den Sträuchern und trinken sauberes, klares
Wasser.“
Ihre Stimme hatte was von Tadel
und Triumpf. Den Tonfall kenn ich von meinen Weibern daheim, besonders wenn
Kopfschütteln oder Zungenschnalzen dabei ist.
„Na und? Öko-Freaks gibt’s überall.“
Sollte ich der Tante jetzt vom
Grunzer und seinen Bio-Karotten erzählen?
„Fällt dir nichts auf, Max?“, tat
die Melanie irgendwann wissen wollen, nachdem ich ihr mit Schweigen und
verschränkten Flügeln lange Trutzwall gegeben hatte.
„Nö.“
Da hat sie wieder Seufzen
vorgeführt und angefangen, von Calcium zu erzählen, von Riboflavin und von
Kohlenhydraten. Dass ich von dem Einen
zu wenig hätte, vom andern zu viel und überhaupt alles ganz traurig und schlimm
wäre.
„Du futterst zu fett, zu
einseitig, zu viel!“
Kann gar nicht sein. Die „Würmer“
sind aus gesunder Freilandhaltung, ein kalorienarmer Apfelschnitz war ja auch
dabei, und wenn ich die Chipstüten beiseite lege, ist immer noch was übrig für
morgen.
„Du musst besser aufpassen, was
du isst, Max.“
Meinte sie wirklich mich? Ich tat
mich vorsichtshalber umgucken, ob sie nicht etwa einen andern Patienten neben
der Tür vergessen hatte.
„Von den Süßigkeiten und dem
Knabberkram darfst du nur einmal in der Woche was essen; Ketchup und Mayo sind
tabu, Cola auch. Stattdessen: gekochter Broccoli, Salat, Birne, Mango, Papaya,
ab und zu ein Löffelchen Magerquark und viiiiiiel Wasser zum Nachspülen.“
Mich taten nun endgültig Zweifel
bedrängen, dass die Lady Ahnung hatte von Papageien-Bedarf. Ich wolle ja nicht
neugierig erscheinen, habe ich deshalb voller Verständnis gesagt, aber mich
täte schon sehr interessieren, über welche Vögel sie Ausbildung gemacht habe.
Über Finken und Kolibris vielleicht? Das täte nämlich eher hinkommen. Sie könne
es ruhig zugeben, denn das ergäbe wenigstens Sinn von den popeligen Portionen
her und von der grässlichen Zusammensetzung.
Sie aber hat nur weiter stur
geglotzt und zwischendurch wieder Seufzerei ausgestoßen. Schließlich hat sie
unter den Schreibtisch gegriffen und ein großes Blatt auf die Ablage gelegt. Ob
ich erkennen täte, wer darauf abgebildet sei, hat sie wissen wollen. – Natürlich,
das links auf dem Bild, das war ich. Ich hatte ihr das Foto ja selbst mit
reingelegt in den Umschlag, weil es so in den Forderungen auf dem Formular
gestanden hatte.
„Schön, und wer ist der andere
Vogel rechts daneben, Max?“
Hm ... trotz genauer Untersuchung
tat mich der Kerl absolut nicht tangieren.
„Tut mir Leid – wir kennen uns
nicht.“
„Ach hör doch auf – das bist auch
du! Guck genau hin. So wirst du mal aussehen, wenn du weiter so unvernünftig
futterst wie jetzt. Das ist eine Computersimulation, ein Zukunftsbild.“
Tatsächlich, der Wampenheini war ich. Ha! Ich mit dickem Bauch. Ulkig.
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Vorher - nachher |
Tatsächlich, der Wampenheini war ich. Ha! Ich mit dickem Bauch. Ulkig.
„Toll, kann ich das Bild behalten?“,
habe ich gefragt.
Mir war, als wäre die
Mampf-Gutachterin ein wenig in sich zusammengesunken, aber das kann auch
getäuscht haben. Jedenfalls hat sie mir das Bild in eine Tüte getan,
zusammen mit allerhand andern Blättern, wo Tabellen drauf waren und Menü-Tipps,
und hat mir zum Abschied den Fuß geschüttelt. Es ging alles ein bisschen
plötzlich. Aber ich hatte sowieso keine Fragen mehr. Unten im Hof stand gerade
ein Müllcontainer offen. Das passte gut, denn so konnte ich mein Bild aus dem
Kuvert nehmen und dem Rest gleich umweltgerechte Entsorgung geben.
Im Nachhinein frage ich mich, ob
sich das viele Geld gelohnt hat. Ich meine, was habe ich erreicht? Ich bin bei
einer Expertin für Kolibri-Diät gelandet. Andererseits habe ich ein klasse
Fantasie-Foto von mir bekommen. Aber steht das in gutem Verhältnis? Ach, egal. Ich
werde der Tante zu Weihnachten eine Tüte Backpflaumen ... nein, besser noch
Nougatringe ... ja, genau, Nougatringe ... schicken und eine Karte dazuschreiben:
„Genießen Sie mal Entspannung.“
Bei vielen Leuten nämlich tun zu
viel Ballaststoffe verkrampfen. Die Menschen werden dann humorlos.
©
Max: Papageiengeschichten
Sonntag, 12. Dezember 2010
Rätsel 8
Nach langer Zeit kommt mal wieder was in Schwarz:
Tipp lautet diesmal: Man braucht es nicht zum Schwimmen, nicht zum Kochen, und in Grün gibt es das auch.
Tipp lautet diesmal: Man braucht es nicht zum Schwimmen, nicht zum Kochen, und in Grün gibt es das auch.
Ho ho ho
Es ist wieder so weit, die Pflicht ruft: Also latschen wir ohne Klagen Tannennadeln durch die Wohnung, schaukeln auf dem Adventskranz, kegeln mit den Mandarinen Dominosteine um, rösten Erdnüsse über der Kerze, bis die Rußfäden Flecken auf die Tapete machen, und tunken Spekulatius in den Kakao, dass uns der Magen schäumt.
Wir wünschen euch allen eine tolle Weihnachtszeit.
Viel Spaß. Viel Freude. Viel Glück.
Dies kommt von Herzen von eurer Mia und eurem Max
Dienstag, 7. Dezember 2010
Sonntag, 5. Dezember 2010
Doch noch frei laufende Paulis?
Es gibt neue Erkenntnis aus der
Pauli-Forschung. Ein Team aus internationalen Experten macht Annahme, dass es
in abgelegener Wildnis noch Exemplare von einheimischen Paulis gibt. Dieser
Hinweis wurde gefunden bei der Suche nach verbuddeltem Mandarin-Haushaltsgerät.
Wo genau das Foto geknipst wurde, verraten die Entdecker aber nicht, damit
nicht jeder Justin und nicht jeder Kevin gleich losrennt, um Sensationsguckerei
am Fundort zu machen. Mir ist es allerdings gelungen, das Foto in meine Krallen
zu kriegen. Seht selbst. Für meine Leser ist mir kein Preis zu teuer.
Aufregend, nicht? Ich hoffe sehr
für unsern verwirrten weißen Hochländer bei Tante Michèle, dass ihm das Trost
geben wird, weil er nun nicht mehr allein ist. Bestimmt wird er bald Vergleich
machen können, ob er noch genauso aussieht wie seine wilden Verwandten und ob
die alle eigene Namen haben, oder ob er der Einzige ist mit kompletter
Abweichung von seiner Art, so dass man mit völligem Recht Mitleid fühlt mit der
armen Socke. Ich meine, es muss doch schön sein, wenn man endlich seine
Sippschaft wiederfindet, nicht wahr? Sobald es Neues gibt, berichte ich natürlich
weiter.
Bei der Gelegenheit habe ich
übrigens zwei andere Fotos erwerben können. Sie waren nicht ganz so teuer.
Lange hatte ich mich in Überlegung gewälzt, ob ich sie euch zeigen soll, denn
sie sind nicht ganz ohne brisant. Aber dann siegte mein reines
Reporter-Gewissen, wo nichts Dreckiges dran klebt, und außerdem könnt ihr ja auch
'nen ordentlichen Happen vertragen, ohne gleich wegzuweichen wie 'ne Salzstange
in der Spülmaschine. Wir sind ja alles Tiere voller Aufklärung und gutem
Urteilsmanagement.
Also aufgepasst, hier kommt das
erste Beweisfoto. Es stammt von einem Fotografen, der anonym bleiben will. Er
wohnt in Franken.
Wer hätte das gedacht? Der
Grunzer – so was! Aber sicher handelt es sich nur um eine peinliche
Verwechslung. Es gibt ja Tausende von Grunzers in Frankenland, und ganz bestimmt
ist es total falsch, hier die Annahmen zu hegen, es handelte sich um den Beweis
für ein Doppelleben. Wer so was denkt, ist ... na, Mensch, jetzt fällt mir das
Wort nicht mehr ein. Jedenfalls, ich denke so was nicht - ich wollte es nur
gezeigt haben. Nix sonst.
Das zweite Bild ist ... gniiieee
... aufgenommen vom Satellitendienst "Spektakel-View". Die
haben da so Kameras, die herumsurren immer um die Erdkugel, und mit denen kann
man jeden Taubenschiss auf dem Pflaster heranzoomen. Denen tut nichts entgehen.
Deshalb habe ich jetzt die Freude euch mitzuteilen, dass die Cora in der
ausländischen Pampa eine große Berühmtheit ist. Dieses Straßenschild steht
in Venezuela.
Irgendwie nicht viel los dort,
ne? Nun wäre es aber ganz falsch, wegen der Wüstenumgebung auf
Bedeutungslosigkeit zu schließen. Ganz im Gegenteil, der Wüstenflecken in
Venezuela unterhält Landschaftspartnerschaft mit einem Park plus
Abenteuerspielplatz in Duisburg. Man macht gegenseitige Inspiration. Unsere
Cora ist darin verheddert mit Ehrenamt und Spendensammelei. Das tut man ihr
danken mit diesem Schild. Umgekehrt heißt die Sandkiste in Duisburg jetzt
"Popel-Venezia". Ich habe gelesen bei meiner Recherche, dass im
kommenden Jahr eine Delegation von Anden-Geiern in Duisburg erwartet wird. Ich
seh schon das Gesicht der Tante Gisela vor mir. Die wird Augen machen! Fünf
spanisch sprechende Nackthälse mit Puschelkragen und Wunsch nach
Gammel-Hackfleisch um ihren Esstisch. Danke für dieses Kopfkino, Cora. Du
bist echt die Größte.
Zum Schluss verrate ich euch
noch, was ich mir von meinem Taschengeld gekauft habe (nicht von Mamas
Küchenspardose wie die drei andern Bilder). Da ist es. Es stammt auch von „Spektakel-View“.
Kommentar brauche ich wohl nicht abzugeben – Elite tut sich halt immer von ganz allein
durchsetzen.
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