Samstag, 29. Oktober 2011

Foto-Kolleg: Duschen II

In meinem zweiten Vortrag über das absonderliche Verhalten mancher meiner Artgenossen zeige ich euch nun eine Variante des Freestyle-Duschens.

Wir erinnern uns: In der Grundform jeglichen Duschens geht es darum, sich von einer Wasserflasche bespritzen oder einnebeln zu lassen. Dabei steht man auf einem festen Untergrund (Ast, Volierendach, Tisch) und lässt das Theater still und zusammengesunken über sich ergehen, ohne das geringste Zeichen von Genuss zu vermitteln (gesund), oder man untermalt es mit mehr oder weniger idiotischen Verrenkungen (krank). Die zweite Spielart wird gern von Hennen gewählt, oft aber auch von sonst durchaus bodenständigen Hähnen, wenn sie sich unbeobachtet wähnen und daher zu albernen Aussetzern neigen.  


Hier sehen wir so ein Paar. Es handelt sich um zwei Gelbnackenamazonen in der Außenvoliere. Hinten die Henne, vorne der … Ey, Moment mal! Wer hat das Foto hier reingemurkst? Das ist nicht das richtige Bild! Weg damit! Ich krieg noch ‘ne Krise.


So, hier ist das richtige Foto. Wir sehen die Domino aus der Grunzer-WG. Sie bietet gerade ihre Achselhöhlen den Wassertropfen dar. Der Rest ist aber normal: fester Halt, Plattfüße flach auf dem Untergrund, Kreuz durchgedrückt.

Bei der angekündigten Variante jedoch ist das keinesfalls selbstverständlich. Ich kenne einen Hahn, der nur duscht, wenn er sich an einen frei schwingenden Gegenstand hängen kann. Meist ist es ein Tannenzweig. Einerseits gibt mir das sehr zu denken, weil ich von einer Betäubung durch ätherische Dämpfe ausgehen muss, andererseits atme ich auf, weil das nadelige Försterzeugs normalerweise nur einmal jährlich zur Weihnachtszeit ins Haus geschleppt wird. Das bedeutet, der Urmel muss sich mit solchen Anfällen auch nur einmal im Jahr auseinandersetzen. Den Rest der 50 Wochen (oder wie viele es noch mal sind) verhält er sich ziemlich unauffällig. Jedenfalls ist mir nichts bekannt, dass der Urmel zu andern Jahreszeiten den Wunsch nach Wasserbenetzung äußern täte. Das übliche Müsliprogramm mit Mate-Tee schlürfen und Aggressionen kneten und sie gegen die Wand schmeißen muss er natürlich trotzdem mitmachen. Der Grunzer versteht darin keinen Spaß. Die Woche ist straff durchorganisiert.

Die Stationen im Einzelnen:


Noch ist der Urmel trocken: ein eleganter Gelbwangenhahn auf der Höhe seiner körperlichen und geistigen Reife.


Die Verwandlung zu Tarzan hat begonnen. Gerade ist Urmel an einen Zweig gesprungen. Er klammert sich fest.


Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Von vorn kommt das Wasser.


Zwischendurch innehalten. Der arme Irre hat keinerlei Gefühl mehr für das alberne Bild, das er abgibt. Dem Patienten ist alles egal.


Der Anfall endet in gockelhaftem Nachäffen der Sphinx von Gizeh. Die Flügel wedeln noch lange nach, schrille Seufzer zerreißen die abendliche Meditationssitzung der übrigen Schwarmmitglieder.

Ich bin mir sicher, der Patient wurde mit Tannenduft manipuliert. Hundert Pro. Anders kann ich mir das nicht erklären. Also Krallen weg von diesem gefährlichen Gewächs. Es naht ja wieder die Zeit, wo die Menschen uns solche zum Kranz geflochtenen oder naturbelassenen Gebilde vor die Nase hängen. Atmet die Luft nicht ein! Um Gottes willen! Nicht dass es euch genauso ergeht und dann plötzlich kopfüber eine klatschnasse Rotweindogge Diva am Adventskranz schaukelt. Ihr seid Hunde, ihr könnt nicht fliegen.

Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch kurz, dass es eine weitere Variante des Duschens gibt. Hierbei werden die Artgenossen unter Anwendung heimtückischer Brutalität geschnappt und in der Badewanne abgeladen. Dort hält man ihnen den Brausekopf über die Birne, bis sie komplett eingeweicht sind. Dieses Vorgehen ist zwar nicht krankhaft, da unfreiwillig, aber nichtsdestoweniger furchtbar anzusehen. So mancher Betroffene (Zuschauer wie Duschgut) hat schon ‘n Trauma davongetragen. Gott sei Dank ist diese Variante nur äußerst selten. Man braucht dazu nämlich geradezu maligne Menschen, die sich dafür hergeben und auch noch Spaß dabei empfinden. Ich persönlich weiß nur von einem einzigen solchen Menschen.


Unbekannter Verurteilter.

Das nächste Mal zeige ich euch endlich, was man unter Baden im Trinknapf versteht. Also seid wieder dabei, wenn es heißt: Vorhang auf für die Krankheiten unserer Welt.

© Fotos: U. W.
© Fotos Mia und Max: A. L.
© Max: Papageiengeschichten

Kommentare :

  1. Oooooch Max...
    dieses süüüüße kleine Vögelchen. Wie es da so in dieser groooßen weißen Badewanne sitzt. Hinter dir - äh ich meinte hinter IHM diese Löcher ins Nichts in dem das Wasser gurgelnd verschwindet. Dieser vorwurfsvolle Blick :((
    Ein buntes Tuch in einer fröhlichen Farbe (wie ich es immer unter die Beagles stopfe - wenn sie mal in die Badewanne müssen) würde wenigstens die harten Kontraste (grün-weiß) vielleicht etwas abmildern :(( *schnief*

    Ob man da nicht doch eine Unterschriftenliste gegen die Sauberkeit am Vogel durch Wassereinwirkung starten sollte???
    LISSA möchte übrigens den Zusatz darauf haben: UND am Hund!

    - Ne, weil wenn Beagles duschen müssen hat das meistens einen in den Augen brennenden und die (Menschen)Nase beleidigenden Grund. :-a
    Hmmm...Können Papageien eigentlich Stinkerfüße haben?

    LG, Klarissa und die Mädels

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  2. Ich hatte für die Stinkerbeagles übrigens diesen Smiley gewählt (Versuch):
    :-a

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  3. Bei euch ist das Duschen wirklich schön anzusehen! Mehr von diesen obszönen Bildern bitte! Donna musste gestern auch in die Dusche, sie hat sich den ganzen Ar... vollgeschi..... Fotos haben wir leider keine gemacht, aber sie war eh nicht sehr fotogen dabei!
    L.G. Diva

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  4. Nee, Papageien kriegen keine Stinkefüße. Wir miefen generell nicht, auch unsere Kleckse sind geruchsfreundlich. Höchstens wenn man sie mit Wasser von der Unterlage schrubbt, riechen sie 'n bisschen nach Salmiak. Außerdem kacken wir uns nicht ein, und wenn doch, ich meine, wenn man von seinem Übermann zufällig eine Ladung abkriegen sollte, dann putzen wir uns das selbstverständlich von ganz allein aus der Wäsche.

    Es gibt also keinen Grund, uns dauernd mit diesem blöden Wasser zu belästigen. X(

    Allerdings stauben wir. Wir schütteln uns zwar regelmäßig, und wenn wir das neben einer Tischlampe tun, kann man zugucken, wie die Nebelschaden vorbeiwabern, doch leider reicht das nicht, damit alles restlos weg ist. Also müssen wir dann doch ins Wasser. Wartet man zu lange mit der Staubbeseitigung, riechen wir etwas pulverig. Die Menschen niesen dann in unserer Nähe.

    Ich bin froh, dass du keine "Beweisfotos" von der armen Donna gemacht hast, Diva. Ich denke, Damen pupsen nur Schmetterlinge. Ich möchte mir diese Illusion bewahren - undbedingt!

    Die arme Socke dort oben auf dem Bild von der Badewanne ist kein süßes Vögelchen, das ist ein Strafgefangener! Unglaublich, wie man sich hier über gequälte Kreaturen lustig macht. [-(

    Die Lissa kann ja schon mal anfangen mit der Petition, dass Wasserhygiene auf die Schwarze Liste für Haustiere gesetzt wird. Ich werde dann gleich mehrmals unterschreiben (natürlich mit jedes Mal mit anderm Namen), damit's schneller geht. Ich finde die Idee mit den Unterschriften klasse. Wenn wir zusammenhalten, kriegen wir das hin.

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  5. Hallo, mein lieber Max!
    Sind das herrliche Fotos aber daß Du so wasserscheu bist, hätte ich ja nicht von Dir gedacht. Meine Grauen, Koko und Jaco lieben die Dusche, allerdings die Wildfänge sind auch gegen die Dusche, die baden von sich aus im großen Wassernapf. Das könntest Du auch mal machen, denn da sieht man erst mal, wie schmutzig Ihr trotz aller Pflege werdet.
    Schließ Frieden mit dem bischen Wasser und sei ein Mann, das Wasser tut Deiner Schönheit und Deiner Haut sehr gut.
    Ganz LG von Tante Helga

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  6. Ich glaub, du willst mich nur reinlegen, Tante Helga. Duschen und baden sind doof. :-w Das Wasser und ich werden nie Freunde werden.

    Allerdings freue ich mich hinterher, wenn ich wieder sauber bin. Dann schlage ich mit den Flügeln und tanze auf dem Ast hin und her (dir tu ich das verraten, aber sag's nicht weiter, ja?). Die Mia findet sauber sein auch gut, aber das Duschen gefällt ihr genauso wenig. Daran sieht man doch, dass wir den nassen Teil nur auszulassen brauchten, dann wären wir alle zufrieden.

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  7. Du Max,
    sei froh dass sie dich nicht mit dem Staubsauger staubfrei bekommen wollen... Hier schon passiert - allerdings mit wenig Erfolg :D

    Liebes WUUUUFF von einem anonym bleibend wollenden Fellträger

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  8. Lieber anonymer Fellträger,

    Staubsauger? So richtig mit Chhhhhl-Effekt und Rohrmassage? Hmmmm ... wäre anders herum nicht sinnvoller? Ich meine den Kärcher. :D

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  9. Moin Max, Luke und ich unterschreiben die Petition in Sachen Taschengeld für Tiere blind und wir fragen auch Amani und Abbatini, ich bin sicher, die würden sich auch gern mal Naschis kaufen ohne extra Hufegeben und freundlich Gucken zu müssen.
    Der Urmel als Tannenbaumschmuck gefällt mir, könnte in Serie gehen, ist doch mal was anderes als immer nur Kugeln und son Glimmerschiet. PIT

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  10. Ja, genau, Pit, mach das mal. Frag mal Amani und Abbatini. Wenn jeder mit einer andern Hufe unterschreibt, sind das schon acht zusätzliche Stimmen. :D

    Wir werden siegen! Venceremos! Nieder mit der Unterdrückung! Taschengeld für alle!

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  11. Huch Max,
    was hast du angstellt. Da denkt man sich glatt, was für eine arme Socke in der Dusche.....wahrscheinlich Stinkesocke? =))
    Kleines Späßle unter Freunden, dafür unterschreib ich auch deine Taschengeld-Petition.

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