Das ist die Putze:
Ich habe leider gerade kein aktuelles Alltagsbild zur Hand, deshalb habe ich ihr Passbild genommen. Genauer gesagt ist es jenes Foto, das auf die neue Chipkarte von der Krankenkasse soll. Die Putze meint, es täte wichtig sein, dass man in der Arztpraxis einen sympathischen Eindruck hinterlässt. Vielleicht bekäme man dann mal ein Salbenpröbchen geschenkt oder ein Brillenputztuch mit dem Logo der Abführtabletten drauf.
Spendiert hat sie uns erst idiotisches Begeisterungsgequietsche, dann Patschhändchengeklatsche und schließlich dies hier, einen Leckerli-Teller:
Eigentlich ist es mehr was für die Mia. Die mag so was. Mir gehen Nüsschen-Potbourri und Dörrobst gepflegt am Schwanz vorbei, aber als höfliches Schwarmmitglied lass ich mich natürlich wenigstens dazu herab, angewidert den Schnabel abzuwenden.
Wofür haben wir das bekommen? Für unser mustergültiges Verhalten. Jaawohl. Putze war heute Nachmittag nämlich weg. In der Zwischenzeit waren wir eingesperrt. Wir müssen immer in die Voliere, wenn niemand daheim ist. Es heißt, wir täten sonst spazieren gehen und womöglich was kaputtmachen, Kabel annagen oder den Reißverschluss aus dem Sofakissen pulen. Ha! Von wegen. Schande über das übeldenkende Mutterherz. Wir sind so was von brav, über uns könnte man Anstaltsfibeln schreiben.
Nach drei Stunden kommt Muttern zurück. Sie schließt die Tür auf, ruft wie immer beim Schuheausziehen "Na, ihr beiden? Bin wieder daaa-aaa!" (Boah nee, hätten wir glatt überhört). Wie gewohnt antworten wir nicht, sondern bleiben stur hocken und glotzen nur eindringlich in Richtung Tür. Putze kommt ins Zimmer, stutzt ... oh! Die Käfigtür steht ja offen. Die hatte sie vergessen zuzumachen. O-Gott-o-Gott. Chaos! Zerstörung! Verderben! (Sie gafft im Zimmer herum). Nö, ist alles noch an seinem Platz, alles heil (aufatmen). Nächster Prüfblick: Wo leuchten zwei grüne Flecken? Ah da. (In der antrazitfarbenen Voliere muss Frau Blindnuss öfter mal suchen, bevor sie uns gefunden hat ... hihi). Wir sitzen in der oberen Etage, und zwar ganz hinten am Volierenende in Richtung Fenster.
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| Volierentür, so wie die Putze sie vorgefunden hat |
Wir rühren uns noch immer nicht. Putze absolviert einen kleinen Fußmasch, bis sie eine kommunikationsfreundliche Stelle erreicht hat. Dort an der Stirnseite am Gitter befindet sich eine kleine Klappe. Meist bewältigen wir dort hindurch unseren täglichen Transitverkehr, wenn wir ins Freie wollen. Diese Klappe ist geschlossen. Frau Blindnuss hatte sie also vorm Weggehen in den ordnungsgemäßen Knastmodus versetzt. Jetzt macht sie sie auf. Jooo ... endlich Freiheit! Die Mia schüttelt als erste die Frisur aus und macht sich auf den Weg.
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| Mia auf dem Volierendach |
Dann folge ich.
Erst mal die Lage sondieren ...
... das Dach entern ...
... Platz nehmen.
Frau Putzenblindnuss ist entzückt. Nein, dass wir das machen täten! Auf sie warten, bis sie uns ganz offiziell rauslasse! Ohne unbefugt das günstige Schlupfloch zu nutzen. Wir wären ja so was von ... hach ... (hier machte sie Anstalten, mich ... böh ... abzuschmatzen). Artig zum Abwinken, vorbildlich ohne Ende. Sie wär ja so wahnsinnig stolz auf uns.
Ja-ja, nu krieg dich wieder ein. Die Mia hatte sich gerade frisch die Bikinizone gezupft und mir tat der Bauch weh von den 12 Geleebananen vom Mittag. Wir waren ganz froh, dass wir mal unsere Ruhe hatten. Außerdem wird es bestimmt noch ein paar Wochen dauern, bis die Putze die beiden Matschfalter vermisst. Wir sagen ihr einfach, sie wären zur Kur nach Bad Pyrmont gefahren.
Ach, noch was. Da wir schon mal dabei sind: Findet ihr dies Foto schöner für den Putzenausweis? Oder ist doch das ursprüngliche besser?
© Max: Papageiengeschichten








