Neulich habe ich bei einem Wettbewerb mitgemacht. Thaya und Io hatten ihn ausgeschrieben. Es war ein Fotowettbewerb. Erst hatte ich gedacht, das wäre nichts für mich, weil die Mädels doch Modelfigur haben und die Mia mit ihren kurzen Kartoffelstampferbeinen dagegen nur abstinken könnte. Dann täte sie den letzten Platz belegen, ich hätte das Geheule in den Ohren und müsste womöglich noch Schmerzensgeld zahlen. Nee, das war mir zu anstrengend.
Aber dann habe ich gelesen, dass es gar kein Hund sein musste, den man verkleidet und fotografiert. Es könnte auch ganz was anders anders. Jo, das war meine Chance. Ich habe ein Foto von der australischen Knalltüte rausgesucht. Erinnert ihr euch? Das war der Feriengast, der vor ein paar Jahren im Zuge der weihnachtlichen Karitas die Feiertage bei uns verbringen durfte. Die Putze hat ja regelmäßig solche Anwandlungen. Und bei dieser Gelegenheiten hatten wir den Kakadu winterfest gemacht. Wir hatten ihm einen Topflappen umgeschnallt, damit er nicht friert.
Ja, und dieses Foto hatte ich bei Thaya und Io eingeschickt.
Dann hieß es warten. Die Spannung war unerträglich. Würde der Weißhaubengockel eine Chance haben? Schließlich kennen die da unten in Down Under keinen Karneval, glaube ich. Die laufen da sowieso alle nackt herum.
Aber dann passierte das Unglaubliche: Wir haben gewonnen! Nun ja, nicht so ganz. Streng genommen hatten alle Einsender den Hauptpreis gewonnen, nicht nur wir, trotzdem war das natürlich sehr kulant von der Jury und wir haben uns sehr gefreut.
Aber … äh, worin bestand eigentlich der Hauptgewinn?
Aus einem Fuchsi, hieß es.
Fuchsi?
„Die werden den doch nicht in ein Paket stecken und zu uns schicken“, hat die Mia gesagt. „Eine Bahnfahrkarte sollte doch mindestens drin sein.“
Ich konnte mir das auch nicht vorstellen. Außerdem musste das ja eine große Familie sein, wenn die Mitglieder in halb Österreich und Deutschland verteilt werden konnten. Oder war das gar eine verkappte Abschiebung, eine ungefragte Adoption über die Tarnung eines harmlosen Fotowettbewerbs? Weiß man's, was die alles auf dem Kerbholz haben?
Ein paar Tage später kriegten wir tatsächlich ein Päckchen aus Österreich. Luftlocher waren drin (immerhin). Ein lieber Brief lag dabei und eine kaputte Auster unter Fuchsis Hintern (das wären Sepiaschalen zum Schnabelwetzen, hat die Mia gemeint). Ach so.
Wie jetzt? Der Typ war tatsächlich bei uns gelandet? Die hatten das ernst gemeint? Der sollte jetzt bei uns bleiben?
Mann, hab ich vielleicht doof geguckt.
Als ich mich wieder eingekriegt hatte, regnete es erst mal Anweisungen:
Dass das klar ist, ja? Finger weg von meinen Matchboxautos. Die PC-Zeiten kannst du dir mit Roosevelt und Otis teilen, aber nicht mit mir. Wenn du schnarchst, fliegst du raus, und sonntags bist du dran mit dem Gurkenhobeln. Ach ja, und wehe, du köttelst auf den Teppich.
Und dann hab ich noch gesagt, er soll mal zeigen, was er kann.
Da war ich ja mal gespannt.
Schutzmann machen, täte er können, hat er gesagt:
Spagat ebenfalls:
Rückwärts auf einer Kiste sitzen:
Ist das alles? *gähn*
Nee, natürlich nicht, er täte noch ein Stück Apfel auf der Nase balancieren können:
Taddääää!
Oh, Mann … toll.
Eine Plautze hat er und wenn man darauf herumdrückt, fühlt es sich an, als täten dort Kügelchen herumkullern. Verdauungsprobleme?
Die Putze hat sehr mit mir geschimpft, als sie herbeigerannt kam, um den Waldindianer zu retten. Von Gastfreundschaft war die Rede, irgendwas von Toleranz und von Gottes Geschöpf. Meinetwegen. Der Fuchsi hat sich gleich bei der Putze eingeschleimt mit treuem Augenaufschlag und so. Er hockt jetzt auf dem Küchentisch. Von dort dirigiert er die Wasserzufuhr für die Zimmerpflanzen. Zu duschen braucht er nur selten, und wenn es Hühnersuppe gibt (die aus der Tüte), kriegt er das Schwafeln über die Schmackhaftigkeit von Hofgeflügel und dessen Zubereitung.
Trotzdem legt die Putze Wert darauf, dass ich mich bei den Mädels bedanke.
Na schön.
Liebe Thaya, liebe Io, liebe Tante Mel, vielen Dank für Fuchsi. Ich verspreche, dass er nicht länger als nötig in der Kommode eingeschlossen bleiben wird. Ich bin ja kein Unvogel.
© Max: Papageiengeschichten



















