Sonntag, 19. Juni 2011

Rätsel 25

Na, Leute? Seid ihr schon eingeschlafen? Hattet ihr gedacht, der Max täte euch in Ruhe lassen?

Nö!

Hier geht's lang zum Weiterraten.
Was ist das? 


Damit's einfacher wird, wie immer Tipp: Es ist orange und man legt es sich nicht unters Kopfkissen.

Vorschläge nehme ich gern entgegen.  Viel Glück!

Samstag, 11. Juni 2011

Die Mia ist alt geworden

Dieser elegante Kringel hier unten rechts auf dem Bild bedeutet nicht etwa, dass die Mia goldene Hochzeit hatte. Nee, so alt ist sie nun auch wieder nicht, außerdem ist sie nicht verheiratet. Sie hatte Geburtstag, gestern. 9 ist sie jetzt – und da wird’s kritisch. Mit 10 läuft nämlich alles auseinander, werden die Füße runzelig, fängt der Hintern an zu hängen, geht Omi Demenz schon mal in Puschen raus in den Supermarkt. Ich weiß das, weil ich ältere Hennen kenne, die Cora zum Beispiel. Bei der drängeln sich schon so viele Kerzen auf der Torte, dass nach spätestens einer Stunde ‘n Pfannkuchen aufm Servierteller liegt wegen Resignation vorm Gewicht. Ich meine, noch ist es ja nicht so weit bei der Mia, noch hat sie ein Jahr Schonfrist, aber ansprechen darf man das Bittere ja vorsichtshalber, damit ihr später nicht die Überraschung die Augen aufreißt.

Wir hatten diesmal Eierlikörtorte. Ich musste sie anzünden, die Mama hat sie getragen und beide haben wir „Zum Geburtstag viel Glück“ gegrölt. Die Mia hockte noch in der Voli und tat so, als wäre sie überwältigt. Dabei hat sie morgens um diese Uhrzeit immer schon ihre Schminksachen nachgezählt, ob nichts fehlt. Es geht die Lüge um, ich täte mit ihrem Rouge-Pinsel meine Matchbox-Autos abpuscheln – Blödsinn!

Dann sind wir gemeinsam in die Küche gegangen, wo der Gabentisch aufgebaut war. Die Mia hat alles auseinandergerissen: „Wo? Wo? Wo ist die Kohle?“, hat sie geschrien. Sie spart doch auf ‘n Epiliergerät zum Beinerasieren. Die sind sauteuer, die Dinger, vor allem, weil’s ein Spezialapparat sein muss. Durchs Federgestrüpp an den Waden kommt nur ein elektrischer Schafscherer. „Delightful mäh“ heißt die Ausführung in Weiberpink. 149 Euro im Schäferversand.

Sonst ist wieder ‘ne Menge Glitzerkram zum Vorschein gekommen: Spaghetti-Shirts, eine Bermudas, Waschlappen mit Monogramm, dazu allerhand Töpfchen mit Stinkecreme und Farbpuder zum Vorgaukeln ausgeschlafener Gesichtsfrische. Ich habe unterdessen den Eierlikör am Weglaufen gehindert. Wenn ich nicht wie ‘n Blöder an den Tortenrändern Staumauern gegraben hätte, wäre der schöne Fusel weg gewesen. Die Kerzen machten alles weich und willenlos. Leider kriege ich von Sahne immer Aufstoßen. Die Mia hat mich angeglotzt wie kurz vor enthemmter Mordlust. Ich hätte aus ihrer herrlichen Torte ‘nen Buddelacker gemurkst, tat sie plärren. Und überhaupt! Ich wollte mich wohl lustig über sie machen - ihr mit so dämlichen Karten zu kommen.


Damit war mein Geschenk gemeint. Ich hatte ihr Visitenkärtchen ausgedruckt. Ich weiß gar nicht, was sie hat. Ist sie etwa keine Expertin für Kosmetik? Und ein paar Euro extra kann doch jeder gut gebrauchen. Man muss nur richtig Werbung machen. Bestimmt kommen jetzt ein paar Enten-Omas und wollen sich die Hacken abschmirgeln lassen. Währenddessen muss ich ja nicht unbedingt ins Bad und die Mama kann sich ruhig auch mal in der Küche waschen. Mit einem bisschen guten Willen täte sich alles regeln. 

Könnt ihr euch noch erinnern, als ich der Mia zu Weihnachten die teuren Parfümpröbchen geschenkt hatte? Und wie die Mia dann geschrien hat, ich wäre ‘n Idiot, das täte kein Parfüm sein, sondern wäre Rum-, Vanille- und Zitronenaroma aus dem Backregal? Lange gucke ich mir das nicht mehr an mit dem Gekeife. Wenn die Mia nie zufrieden ist, kriegt sie das nächste Mal eben wieder Schokolinsen. Dann soll sie sehen, wie sie damit glücklich wird. 

Zum Frühstück haben wir die restliche Torte gegessen. Danach bin ich gleich wieder ins Bett gegangen. Mir war nicht gut. Im Bauch war Waschgang und im Kopf Nebelwettbewerb. Erst am Nachmittag bin ich wieder aufgewacht. Ich hatte Durst. Die Mia saß auf dem Küchentisch, die Füße überm Abgrund, der Hintern auf ihrer neuen veilchenblauen Nicki-Jacke. In der Kralle hatte sie das Handy und war am Schnattern. Bestimmt hatte sie schon alle ihre Freundinnen durchgequatscht. Jetzt war die Cora dran.
„Denk dir – ich darf endlich mit dem Harald allein weg!“, hörte ich sie flöten.

Echt? Die Mia allein auf die Piste? Wie hatte sie das denn geschafft; sonst muss ich doch immer mitgehen. Aber die Mama tat es bestätigen: Ja, die Mia sei schon recht vernünftig, jetzt wo sie 9 ist, außerdem gehe der Harald mit und die Karten seien vorbestellt; da könne nicht viel schiefgehen.

Aha. Varieté sollte es sein. Gut so, dazu hatte ich sowieso keine Lust. Menschen, die sonderbare Dinge tun, kann ich mir schließlich jeden Tag hier daheim anschauen. Meine Mama kann auch ganz prima jonglieren (am liebsten mit Putzschwamm und Reinigerflasche), und sogar zaubern kann sie: Eben war die Pralinenschachtel noch voll … Simsalabim … jetzt isse leer.

Kurz vorm Abendbrot tat’s klingeln. Draußen stand ‘ne Taube auf der Fußmatte. Ich hätte sie fast nicht erkannt, weil sie ‘nen dicken Blumenstrauß trug, auf dem Rücken festgebunden. Der gab ihr den Anschein einer länglichen Pflanzschale mit Vogelkopf. Ich wollte gerade dagegentreten, als sie zu quaken anfing:
„Ist die Mia da?“
Ich hatte noch überlegt, ob ich das der Mia antun dürfte, aber dann dachte ich: Soll sie den Kerl doch selbst rauswerfen. Der Blumenstrauß war, wie sich herausstellte, eine Sammelaktion der Taubengruppe „Schönes Wohnen Hannover-Ost“. „Der lieben Mia alles Gute zum Geburtstag“ stand auf der Karte. Ein Gutschein über 20 Euro für freies Futtern bei McMampf steckte auch noch drin. Diese elenden Schleimer! Aber jedes Mal zu spät sein mit der Balkonmaut, sobald ich sie eintreiben will, das können sie. Da ist dann nie genug Geld da. Aber hier den Krokos spielen. Widerlich.

Später ist der Harald gekommen zum Abholen. Schwäne haben es besonders leicht mit Galakleidung: Nur ‘ne schwarze Fliege um die Gurgel knoten – fertig. Er sah diesmal aber etwas zu dolle weiß aus. Bestimmt hatte er sich mit Trockenshampoo eingepudert. Jedenfalls tat er danach riechen. Gern hätte ich die Zugluftprobe gemacht, ob Schwaden aufsteigen, aber dafür bleib keine Zeit, denn eine Parfümwolke kam plötzlich den Flur langgelatscht. Sie hatte eine weinrote Häkelstola um, trug ein gleichfarbenes Operntäschchen und ein selten dämliches Grinsen um die Schnabelklappen. Wenn ich nicht wüsste, dass die Mia schon mal verlobt war (mit dem Coco … Gott hab ihn selig), hätte ich gedacht, sie täte sich geheime Vorfreude zurechtkichern.

„Viel Spaß … amüsiert euch gut“, tat die Mama winken. Sie selbst ist gleich anschließend abgedampft zum Hallensport. Dort latscht man erst im Kreis herum, macht Dehnübungen und gemütliches Ballauftupfen, und später, nachdem man sich umgezogen hat, sitzt man gemeinsam in der Kneipe und redet über Wechseljahre und Geranienpflege. Bei Menschen heißt so was Kultur. 

So ein Abend allein zu Haus ist gar nicht schlecht: Man kann die doppelte Zeit am PC sitzen (die beiden Pelzfliegen hatten sich versehentlich selbst im Schlafzimmer eingesperrt, gleich nach dem Aufstehen). So konnte ich endlich mal in aller Ruhe Mias Cookies überprüfen, wo sie überall herumsurft, und die Passwörter vom Roosevelt und vom Otis löschen. Ablage muss schließlich sein, so ungern man sie auch macht.

Um Mitternacht war die Mia wieder da. Im Treppenhaus kicherte es. Immer wenn das Licht wieder anging, konnte ich sie knutschen sehen. Zumindest war da was Weißes mit was kleinem Grünen, das irgendwie verknäult war. Durch diese Türspione erkennt man ja leider nur Umrisse. Dann hörte ich den Harald die Stufen runterwatscheln. Es klang wie Schollen, die man in Mehl klatscht. Gleich darauf ging die Tür auf.
„War’s schön?“, habe ich gerufen. Meine Krallen hatten sich im Mauskabel verheddert. 
„Ja, super“, hat die Mia geantwortet. „Ich geh dann mal die Fledermäuse freilassen – gute Nacht.“

Ich hoffe doch sehr, dass sich das Alter nicht in unnötiger Milde ausdrückt. Mitleid mit Pelzfliegen? Das tut nun wirklich nicht nötig.

© Max: Papageiengeschichten

Samstag, 4. Juni 2011

Fertig für die Sonnensaison

Das bin ich:


mein Schreibtisch, mein Glas, mein PC, mein Mauskabel.

Je länger ich mir das Bild anschaue, desto dringender komme ich zu dem Schluss: beeindruckend, aber entschieden zu kopflastig. Das passt zu den langen Winterabenden, wenn ich beim Schein der Lampe an meinen Memoarien schreibe. Aber wer mich kennen tut, weiß um meine wilde Animalik. Ich bin der Camel-Mann unter den Amazonenhähnen. Nur sieht man das nicht sofort. Ich weiß es zu verbergen hinter meinen intellektuellen Stirnfalten.

Jetzt aber, wo die Sonne scheint und man im Gartenlokal sitzt und Eiscafé schlürft, ist es Zeit für das passende Outfit. Ich habe mich umgestylt. Die Mia hat mir geholfen. So zickig sie ist, in Modedingen und Kosmetikpampe kann ihr so schnell keiner den Sockel reichen. 

Sie ist mir gleich an die Frisur gegangen; da brauchte ich nicht lange zu bitten. Allerhand Vorbereitungen waren nötig:


Erst mal duschen.


Dann Federn eingelen, richtig hinlegen und den Rest hochzuppeln. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen.


Yeah! So haut's jede Bistrohenne vom Barhocker. Sie braucht nur rüberzuschielen: Schon isse hin. Aber irgendwas fehlt noch. Richtig - das Goldkettchen!

© Max: Papageiengeschichten