Freitag, 5. November 2010

Was ist ein Pauli?

Leser mit Aufmerksamkeit werden gemerkt haben, dass die Tante Michèle Freude daran findet, mir schwere Rätsel aufzugeben. Sie schenkt in ihrem Haus seit einem Dreivierteljahr einem unbekannten Tier Heimat. Es nennt sich Pauli. Alle, die hier lesen, tun so, als täten sie wissen, um was für eine Kreatur es sich handelt, nur ich weiß es nicht, weil mir ja niemand was sagt. Und dann machen sie alle Zusammenrottung und zeigen mit dem Finger auf den Max wegen Amüsement, wie er sich anstrengt, aber trotz hingeworfenen Lösungshäppchen nur in die Essigsoße langt. Das hat nun ein Ende. Ich weiß nämlich jetzt, was ein Pauli ist – jawohl! Und ganz ohne euch!

Lange Nächte voller Recherche liegen hinter mir. Die Stunden am Laptop hatte ich dem Roosevelt und dem Otis abkaufen müssen, weil ja nachts immer die blöden Fledermäuse dran sind mit der PC-Berechtigung. 5 Euro hat mich das gekostet plus einmal am Schwanz gezogen werden und ’nem dicken Rotzfleck mitten auf dem Schnabel. Ich werde die Rechnung über 25 Euro an einen gewissen Herrn Pauli in München weiterleiten. Da darf er gleich mal Beweis antreten, wie gut er Überweisungszettel ausfüllen kann.

Information zur Suche hatte ich nicht viel. Die Tante Michèle hatte ja nur gesagt, dass ein Pauli weiß und wuschelig ist, vier Beine hat und spitze Ohren. Die andern Hinweise waren sowieso nur wegen Irreführung ausgesprochen. Schließlich tut jeder normale Vogel wissen, dass Vierbeinige keine Fähigkeit zu Charme haben und auch nicht klug sind. Also habe ich das alles bei der Google-Fütterei getrost weglassen können.

Trotzdem war’s schwierig genug. Ich bin nämlich in Expertengebiet eingedrungen. In einem russischen Lexikon für verschollene Tiere habe ich den ersten Beleg gefunden. Gut, dass ich perfekt Kyrillisch kann. Da stand geschrieben, dass die Einteilung in der Biologie so lautet:

Klasse: Säugetier
Ordnung: Fellträger
Familie: Ursus yeticus (lat.)
Gattung: Weißwuschler
Art: Pauli

Demnach sind die Paulis sowohl mit den Eisbären verwandt als auch mit den Yetis, nur sind sie viel niedriger und sie stellen sich auch nicht auf die Hinterbeine und watscheln nicht aufrecht in der Gegend umher, nicht mal zeitweise. Wann der gemeinsame Vorfahre Trennung vollzogen hat in die Polartiere, in die Dschungelzottel und in die Paulis, weiß niemand so genau. Vielleicht gab es mal Riesen-Paulis, so ungefähr 2 Meter hoch, ähnlich den Brauereipferden mit den Puschelmanschetten um die Knöchel, aber falls das stimmt, sind sie irgendwann in Schrumpfung übergegangen, bis die Flachheit von heute erreicht war. Die Evolution hat ganz eigene Vorstellungen; manche sind sehr ulkig. Wir von heute sollten jedenfalls kein Hohnkiechern darüber machen, sondern Mitleid fühlen. Die Leute von damals konnten schließlich nichts dafür, dass die Natur albernes Experiment an ihnen ausprobierte.

Die früheste Darstellung eines Paulis mit Modern-Design stammt von einer Gardinenmalerei aus Armenien. Das liegt am Kaukasus, ziemlich in der Mitte vom Atlas. Der Stoff ist ungefähr 2000 Jahre alt. Ein Foto seht ihr hier:

Ein prähistorischer Pauli (Vergrößerung)

Man tut gut die Spitzohren erkennen. Ansonsten weiß man, dass der Pauli schon damals etwa 28 cm hoch gewesen sein muss, gerechnet vom Boden bis ungefähr zum Nacken. Bei mir ist an dieser Stelle gelb mit Federn, bei Vierbeinigen nennt man das Widerrist. Weil der Ur-Pauli nicht besonders moppelig ausschaut, macht die Wissenschaft Annahme, dass er ca. 8 Kilo gewogen hat. Das Futter ist zwar nicht mit draufgemalt, aber wegen Verwandtschaft zu Eisbär und Yeti glaubt man, er täte sich ebenfalls von Fischfilet oder Pflückobst ernährt haben. Zumindest gibt die Figur keinen Anlass für den Ruf nach Diät.

Dann wird es leider ruhig um die Pauli-Nachrichten. Jahrhundertelang kriegt man nichts mehr zu hören und zu sehen von ihm: keine neue Tischdecke mit Malerei, kein Honigpott mit Paulikopf-Deckel, keine Erwähnung im Ritter-Gesangsbuch und auch kein Buntmosaik in ’nem Kirchenfenster. Es war fast so, als wäre der Pauli mit den Dinosauriern in die Archäologie gezogen. Skelette hat man zwar gefunden, aber ohne Fell und Spitzohren, und daher kann das ja jeder gewesen sein.

Erst so um 1600 kriegte der Pauli wieder Auftauchen, und zwar bei ’ner Zeltauflösung in der Mongolei. Dort fand man ein Gemälde (allerdings ohne Rahmen). Es hängt heute in London im Museum. Wie ihr wiederum auf dem Foto unten sehen könnt, ist das Weißfell gut getroffen. Auch dass es wuschelig ist, lässt sich erkennen. Außerdem hat der Pauli schwarze Augen und trägt einen schwarzen Flicken im Gesicht. Wahrscheinlich tut es sich um die Nase handeln; das weiß man von Bären. Leider aber ist das schon wieder alles, was man erfährt. Malerei ist ja immer voller Einseitigkeit, so wie ’ne Webcam, wo das Bild stehen geblieben und der Ton ausgefallen ist. Zum Beispiel kriegen wir keine Kenntnis, wie der gemalte Pauli unten herum ausschaut. Es gibt nämlich eine Richtung in der Biologie, die Behauptung macht, es täte sich hier gar nicht um einen echten Pauli handeln, sondern lediglich um eine Robbe, die nur oben herum wie ein Weißwuschler den Anschein gibt, doch ihre Fortbewegung mit Schwimmflossen betreibt. Darüber hat man noch heute heftige Debatte in der Fachwelt. 

Ein monoglischer Wasser-Pauli

Die nächsten Gemälde-Paulis sind leider auch wieder ohne Untergestell. Das linke Bild wurde 1814 in China gefunden und das rechte bei ’nem Trödler in Istanbul auf einem Basar. Die Maler sollen in beiden Fällen Nomadenvölker sein. Das sind Leute, die dauernd umziehen und das auch noch gut finden. Zumindest deuten all die Fundorte darauf hin, dass der Pauli dort im Osten seine Herkunft hat. Außerdem meinen Kunstkenner, der Pauli täte in diesen Kulturen einen wichtigen Platz eingenommen haben, denn sonst hätte man keine Porträts von ihnen angefertigt, wo sie gucken wie Könige beim Modellsitzen für Briefmarken. Dies ist der erste Verdacht, dass Paulis nur Aufgabe hatten für Hätschelei. Was hätten sie auch sonst arbeiten sollen? Beim Zusammentreiben von Yack-Herden wäre ja ihr weißes Fell dreckig geworden, und niemand kennt Bilder, auf denen Paulis grau gemalt sind.

Andere historische Asien-Paulis

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es dann endlich Nachrichten über lebende Paulis. In manchen Zoos hatte man welche zur Ausstellung dahocken. Irgendjemand hatte sie mitgebracht, wahrscheinlich vom Campingurlaub am Jangtsekiang. Diese Paulis sind tatsächlich auf vier Beinen gelaufen. Sie haben Knochen und Fleischstückchen gefuttert, konnten ganz gut schwimmen, aber nur schlecht sprechen. Außer „wau“ und verschiedenen Grunzlauten kam da nicht viel. Auch fanden sie keine Freundschaft zu den Eisbären nebenan. Wahrscheinlich war die Gemeinsamkeit schon zu weit auseinander gegangen, als dass sie noch Familienbande gefühlt hätten. Manche von ihnen sollen recht gelehrig gewesen sein. Voller Eifrigkeit seien sie um Teppichstangen gehetzt, wenn man’s ihnen gesagt hat, oder hätten sich lang hingeschmissen nach dem Zurufen: „Platz!“ Nach langer Versucherei ist dann sogar die Fortpflanzung gelungen. Darüber gibt es Detailbericht in der Zeitschrift „Anthropology today“. Die ersten Eltern hießen Pablo und Irmtraud. Sie sind Ursache, dass wir heute in Europa ein paar mehr Paulis kennen, ungefähr so viele wie Bengaltiger.

Seither haben wir richtige Fotografien von Paulis, nicht bloß Gemälde, nicht bloß Kunst. Und darauf sieht man dann auch zum ersten Mal, woran alle Paulis leiden, nämlich an Haltungsproblem. Ständig müssen sie gestützt werden, entweder an der Schnauze, damit der Kopf nicht wegklappt, oder am Hintern für Verbleib in der Streckhaltung. Tausende von Fotos geben davon Beweis, zwei habe ich hier:

Paulis mit typischem Haltungsproblem

Seht ihr? Davon tut uns die Tante Michèle nichts verraten. Warum bloß? Will sie nicht, dass man sie lobt für ihre Aufopferung? Es muss doch enorme Anstrengung machen, dauernd seinem Pauli Abstützung zu bieten. Andererseits: Wieso muss es unbedingt ein Pauli sein? Hätte es nicht ein Hund getan oder ein Hamster oder ein Kanarienvogel? Oder wenn schon exotisch, dann ein Eisbär oder ein Yeti? Denn die sind wenigstens nicht so selten wie die Paulis. Überhaupt: Wo kriegt man einen Pauli her? Man geht doch nicht einfach in ein Geschäft und bestellt sich einen. Darüber muss mir die Tante Michèle mal Auskunft geben. Mir ist alles sehr suspekt. Ein Foto von ihrem Pauli hat sie mir auch noch nicht gezeigt. Sie macht immer nur Rätsel und schöne Reden, aber zu sehen krieg ich ihr komisches Wundertier nie. Ich wette, es tut gar nicht existieren. Wahrscheinlich ist es nur eine popelige, alberne Schildkröte.

© Max: Papageiengeschichten
© Fotos: M. U.

Kommentare :

  1. Huhu Max,
    an Intelligenz hast du keinen Mangel. Respekt wie du nach dem Pauli recherchiert hast. Da sieht man, der Journalist liegt dir im Blut.
    Hättest noch 5 Euro drauf gelegt für Roosevelt u. Otis, dann wärst du darauf gekommen, dass der Pauli aus einem Hamburger Stadtteil abstammt.
    Jawohl, ich war da schon einmal. Da habe ich die gleichen Paulis gesehen wie auf deinen Fotos. Wette lieber nicht, sonst bist du völlig pleite.

    Dein Grunzer

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  2. Üerweisungsauftrag:

    an Herrn Reporter
    MAX von aus nicht Bayern

    Kto.Nr. 0815 BLZ 5711
    fünfundzwanzigeuro 25,00 €

    Verwendungszweck:
    Ahnungslosigkeit

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  3. Na bitte - geht doch.

    Wenn mir alle Leute für ihre Ahnungslosigkeit Geld zahlen täten, müsste ich nicht dauernd Taschengeldaufbesserung im Fledermaus-Sparschwein machen. Danke, Herr Schildkröt.

    Du, Grunzer, das stimmt nicht. Von dem Stadtteil in Hamburg stammen keine Paulis ab, nur Fußballmannschaften. Wenn dir Ausflüge in die Welt so viel Verwirrung stiften, solltest du besser daheim bleiben und Pilze sammeln. Das gibt dir größere Schonung.

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  4. Mein lieber Max,
    die 25,00 € hast du nur von mir erhalten, damit du keinen Frust bekommst.
    Ich glaube nun, der Paul hat ein Hühnchen mit dir zu rupfen. Von wegen: " Eisbär, Yeti, Hamster, Kanarienvogel oder sogar eine Schildkröte".
    Wau, in deinen Federn möchte ich nicht stecken

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  5. Pah, der soll nur kommen. Ich kenne solche Leute: Erst die Stampfer breitbeinig machen und die Barthaare in Vibration bringen, aber dann aufquieken: "Ich bin eine biologische Rarität, du darfst mir nichts tun!", sobald man mal locker seinen Schnabel über dem seinen Hintern streifen lässt.

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  6. Hallo Max,
    jetzt muss ich was gaaaaaanz schweres tun. Oh oh, ich sehe dich schon jubelnd durch die Wohnung sausen.
    Du hast nämlich recht mit der Fußballmannschaft. Aber man wird ja wohl mal verwechseln könnnen, ohne dass du mich gleich in den Wald schicken tust.

    Dein Grunzer

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  7. Nachricht von Pauli:

    Sooooooooooooo, weder bin ich ein Eisbär noch ein Yeti ebenfalls kein Hamster oder Kanarienvogel und schon gar keine Schildkröte.
    Ich bin ein West Highland White Terrier Paul. Mein Wesen ist ein typisches Wesen mit zwei Gesichtern. Ich außerordentlicher, charmanter und fröhlicher Pauli, der mit seinem Chrysanthemenkopf dem Kindchenschema der Gestaltpsychologie so sehr entspreche, bin gleichzeitig ein unerschrockener, aktiver, vor Robustheit strotzender Pauli, den man zum Selbstbewußtsein nicht erst ermuntern muß. Ich bin zu Hause ein ausdauernder, gelehriger und liebenswürdiger Begleiter und unterlasse nichts unversucht, mit Charme, Raffinesse und Beharrlichkeit meinen Kopf durchzusetzen.

    Ich als West Hochländer Weiß Pauli in typischer Weise verkörpere die schottische Devise " Nemo me impune lacessit" (Niemand fordert mich ungestraft heraus).

    Max, soll ich dir auch noch von meinen ursprünglichen Lebensumständen berichten, damit zu weißt, wer ich bin ?

    Gib mir Hochländer Bescheid
    Pauli

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  8. Hömma, du weißer Hochlandterrarier. Langsam mache ich Verdacht, dass dich der Grunzer doch gesehen hat bei seinem Besuch in Hamburg. Dort kommt ja allerhand mit den Schiffen an, und manchmal weiß niemand, woher. Einen Chrysanthemenkopf kenne ich jedenfalls nicht. Muss man dich gießen?

    Für Rafinesse habe ich was übrig. Hey, Kumpel, besch...t du auch so prima beim Kartenspielen? Es könnte sein, dass wir Gemeinsamkeit entdecken.

    Deine Devise finde ich jedenfalls klasse. Ich habe keinen Wahlspruch. Ich brauche keinen, weil mein Name sowieso überall zu lesen ist. Dabei steht er immer ganz oben, auch auf dem Thermometer: Temp. max.

    Berichte lieber von deinem Leben bei Tante Michèle - ich liebe Klatschgeschichten! Schließlich hat jeder irgendwo Ursprung und Verwandtschaft, für die man sich schämen muss; das ist ja nichts Besonderes. In meiner Familie ist es meine Urururur-Großmutter Eulalia: Sie hatte einen Truthahn geheiratet. Seitdem haben wir alle Neigung zu Wabbelkinn. Ich weiß also nicht, ob es so gut war, dass einer deiner Vorfahren unbedingt eine Blume heiraten musste. Solche Mulitikulti-Verbindungen machen ja oft Identitätsproblem. Ein Flora-Pauli ist mir bei meinen Recherchen nicht begegenet, und ich habe viel über Paulis gelesen! Siehst du dich mehr als Blüte oder als Vierbeiner? Du hast doch Beine und nicht Stängel, oder?

    Nichts für ungut, wenn ich so viel fragen tu, aber ich weiß noch immer nicht, was für eine komische Type du bist. Schick mir doch mal ein Foto von dir. Adresse ist:
    Chefredakteur Max von Gelbnacken
    Max-Papageiengeschichten-Blog
    Internet

    Nett, dich mal kennen gelernt zu haben. Komm ruhig mal wieder vorbei. Ich würde gern mal deinen Chrysantemenkopf sehen.

    Dein Max

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  9. Hallo Max,

    offensichtlich hast du den selben Facettenreichtum eines Charakters wie ich. Wenn du keinen Blick auf meine ursprünglichen Lebensumstände werfen willst und als Reporter nur an Klatschgeschichten interessiert bist, dann erzähle ich dir halt von meinem Leben in der Familie.

    Shopping im Supermarkt Toys `R` us für Tiere ist der Futternapf für mich, mit Michele das Größte. Gänge voller Regale mit Spielsachen, Kuschelbetten, Schmusedecken, Futter und Süßigkeiten ist einfach ein Traum. Ich würde ja gerne alle Spielsachen testen, darf ich aber leider nicht. Bettencheck kann ich auch nicht in jedem Bett durchführen. Schmusedecken-Kuschelprobe ist leider auch nicht immer möglich. Kostproben an Futter und Süßigkeiten werden mir leider auch keine angeboten, nur von Michele eingekauft. Gott sei Dank weiß sie, daß ich auch noch Quark und Reis liebe.

    Ich kann dir auch noch erzählen, warum ich jetzt weiß, weshalb ich Pauli heiß und nicht "nein nein".

    Liebe Grüsse
    von deinem Schotten
    Pauli

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  10. Hömma, du Schotte,

    was ist das für eine komische Ausbildung, die du da machen musst? Sollst du Produkttester werden? Ich geb dir Tipp: Nimm im Hauptstudium den Schwerpunkt "Futter". Da kannst du dann Gourmet-Sterneverteiler werden. Den ganzen Tag in Mampfpalästen rumhocken, alles annaschen und am Schluss nur noch ein bisschen aufschreiben, was dir nicht gefallen hat und was du beim nächsten Mal auch noch essen willst - wäre doch klasse, nicht wahr?

    Und? Warum tust du nicht "Nein, nein" heißen? Ich hätte ja wenigstens auf "Mr. No" bestanden. Aber das ist eine Frage von Stil und Rudelherrschaft.

    Dein Max

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  11. Hallo Max,

    warum ich jetzt weiß, dass ich Pauli heiß und nicht "Nein nein", kann ich dir jetzt genau erklären:

    Als ich bei meinen neuen Kumpels auf der großen Wiese war, haben die mich gefragt, wie ich heiße und woher ich komme. Wo genau ich herkomme, weiß ich nicht genau, aber ich wohne jetzt in der Lindenstraße in einer 5er WG. Da ist ein Mandi, eine Caro, ein Hermann und eine Michele, die immer sagt: "Komm zur Mama", und ich. Meinen neuen Kumpels habe ich erzählt, ich weiß nicht genau, wie ich heiße, werde von meiner Familie manchmal mit Pauli angeredet, doch meistens mit "Nein nein" angesprochen. Meine neuen Freunde haben mich aufgeklärt, ich heiße tatsächlich Pauli und nicht "Nein nein", denn nur weil ich von meiner Familie die Badeschlappen durchs ganze Haus schleife und kaputt beiße, ihre Hosenbeine angreife, sämtliche Spielsachen auseinander nehme, im Haus hin und wieder Pipi mache und noch so kleinere Vergehen, ist damit nicht mein Name gemeint, sondern "Nein nein", ich soll diese Sünden unterlassen.

    Komisch, soll einer verstehen, Spaßbremsen.

    Dein Kumpel Pauli

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  12. Also weißt du, Kumpel, für einen Schneehasen bist du ganz schön leicht im Glauben. Du lässt dir ja jeden Grizzly aufbinden:

    "Nein, nein" ist tatsächlich kein Name, sondern der Ausdruck von Hoffnung, dass du dich änderst. Menschen reden nun mal so. Aber Pauli ist auch nicht dein Name, sondern deine Artbezeichnung. Das ist so, als würdest du deinen Papa Hermann mit "Hallo, Homo sapiens" ansprechen. So tut man Menschen nämlich korrekt bezeichnen, nämlich in Latein und ganz mit dem Gütesiegel von Internationalität und Wissenschaft.

    Ich an deiner Stelle würde endlich mal energisches Pochen auf einen richtigen Namen betreiben. So geht das ja nicht! Alle Welt heißt Michèle oder Mandi oder Oma, nur du bist noch immer anonym. Am besten, du machst deinen Leuten selbst Vorschlag, wie du heißen willst. Gefällt dir Eberhardt? Oder Luitpold? Chrysostomos? Athanasius? Mach mal Überlegung und rede dann mit ihnen. Du musst das selbst in die Pfoten nehmen, sonst wird das nichts. Menschen sind lahm und brauchen Schiebung.

    Aber eins muss ich dir lassen: Badeschlappen kaputt beißen. Alle Achtung. Das ist ja feinste Papageienmanier. Wie schaffst du das, du als Hase nur mit den beiden langen Karottenzähnen?

    Dein Max

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  13. Hey Max,

    ich bin doch nicht blöd,
    ich weiß doch ganz genau, daß ich ein Weißer Hochländer bin. Schließlich habe ich mit Hermann schon den Wallberg in Rottach-Egern, den Blomberg in Wackersberg und Brauneck in Lenggries bestiegen und besiegt. Bin halt ein richtiger Naturbursch. Stell dir nun vor, ich hänge in der Steilwand und Hermann ruft: "Pepermint Drum Major oder Pepermint Sunny Boy", daß wäre ja wohl peinlich. Oder.

    Bis bald
    Pauli

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  14. "Du, weißer Hochländer, komm mal her, du!" zu rufen ist aber genauso peinlich. Glaub mir, bei euch in der Familie ist großes heimliches Namensgemurkse am Werk. Ich täte mich mal drum kümmern.

    Was ist überhaupt ein Hochländer? Hat der Spikes unter den Pfoten, damit er nicht abrutscht? Oder Gummistiefel an wegen Waten im Matsch? Ich kann auch Bergsteigen. Ich heb unten ab, steige auf und setz mich oben auf den Berg. Deswegen nennt man mich aber noch lange nicht Flying Eagle Max oder Starfighter Master of the Amazon Parrots.

    Was machst du denn sonst so, wenn du nicht gerade Kraxelei in den Bergen veranstaltest? Vielleicht kommen wir dann auf die Spur, warum du keinen Namen hast.

    Dein Kumpel
    Max

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