Sonntag, 7. Oktober 2012

Mein Amazonen-Alphabet:
B wie Balz

Balz ist das Werben um einen Partner, damit er Küken mit einem macht. Idealerweise hat dieser Partner ein anderes Geschlecht als man selbst. Bei mir ist das der Fall. Bei der Mia auch.

Trotzdem gibt es beträchtliche Unterschiede in der Vorgehensweise. Die Mädchen legen sich flach hin. Die Brust berührt den Boden (oder den Ast). Der Schwanz wird leicht aufgefächert und der Hintern obszön in die Höhe gereckt. Dabei entweichen leichte Knarrlaute (aus dem Schnabel, mein ich). Das hört sich ein bisschen so an wie Verstopfung und der beharrliche Kampf, doch noch alles zu einem guten Ende zu bringen.

Ich ignoriere das. Mir ist das zu aufdringlich. Meistens warte ich, bis der Anfall vorüber ist und gucke dabei aus dem Fenster. Meine eigene Taktik gehört natürlich in eine ganz andere Gewichtsklasse.

Wenn ich loslege, fängt die Putze immer an zu lachen. Ich täte soooo süß aussehen, behauptet sie. Ich darf doch um Contenance bitten, ja? Das ist nicht süß, das ist männlich!

Erst mal stellen sich meine Stirnfederchen auf. Das sieht in etwa so aus wie auf den Bildern hier unten. Der Anlass beim Fotografieren war allerdings ein anderer. 


Dazu gebe ich regelmäßige Ch-Laute von mir, perfekt durch die Nase geatmet. Sollte die Putze mir jetzt ihre Wurstfinger hinhalten, schubber ich zärtlich meinen Schnabel daran. Wenn ich dann in Fahrt komme, richte ich mich kerzengerade auf. Der Schwanz umkränzt meinen Hintern als unwiderstehlich leuchtendes Halbrad. Mein Bauch wird zur Kugelplautze. Ich kriege Dampfatmung. Oft fühle ich mich obendrein zu Geschenken veranlasst.  Ich würge in nickenden Kopfbewegungen meine letzte Mahlzeit hoch (das ist nicht ekelig, das riecht lecker nach Banane). Den Körnermatsch pampe ich der Putze auf die Sofadecke: Da haste! Und nu mach was mit mir.

Lachen hab ich nicht gemeint.

Mann-o-Mann, jedes Jahr die gleiche Crux: durch die Wohnung gurken, einen Nistplatz suchen, die Mia beschützen, die Putze davonjagen, für Ordnung sorgen. Es heißt, wir seien dann unberechenbar, wir verstünden keinen Spaß, solange die Hormone uns voll im Griff hätten. Notfalls würden wir sogar angreifen. Hat die Mia schon gemacht. Sie ist der Putze nachgeflogen, als sie durchs Zimmer ging, um Wäsche von der Heizung zu nehmen, und hat ihr von hinten in den Kopf gehackt. Die Mia kann sehr humorlos sein, wenn sie sich einbildet, sie täte bald 'nen Haufen nackter Bälger großziehen und ich würde den Vater dazu geben.

Ha! Bin ich blöd? Ich bleib Single. So weit kommt das noch: Ich und salatgrüne Fratzen unterrichten, wie man Körner von der Schale befreit oder den Staubsauger niederkreischt. Und vorher dann noch dieser ganze Eierkram. Ich muss die Mutter füttern, solange sie auf dem Gelege hockt. Das ist so Tradition bei uns Amazonen. Nee, geht mir weg damit. Ich hab noch viel vor in meinem Leben. Kükengeschrei gehört nicht dazu.

Deshalb dürfen die folgenden Fotos auf keinen Fall falsch interpretiert werden. Zwar zeigen sie mich und die Mia – das ist wohl wahr –, aber nicht in echt. Die Aufnahmen stammen von einer Schulaufführung. Der Titel lautete: „Lola und der Geißenpeter in Las Vegas.“ In richtig würde ich mit der Mia nie so was machen. Ich bin doch kein Schwein.


© Max: Papageiengeschichten

Kommentare :

  1. Wow wow wow. Das ist ja megainteressant. Du bist voll spannender als der blöde Frosch. In der Balzzeit würde ich mal gerne dabei sein. Aber vielleicht doch lieber mit einem Schutzanzug. Ich MAG mir nicht auf den Kopf hacken lassen.

    Und das mit den Bälgern groß ziehen versteh ich. Grässlich. Wollte ich auch nicht. Ich müsste zwar keine Mama füttern *hihihi*, aber nachher die "Würstchen", die andauernd am Fell zerren und mir in die Nase beißen ?!!!! Neeeeeee danke.
    Hast mein vollstes Verständnis.

    Ach ich bin ja schon so gespannt, was bei C kommt.
    Das ist ja fast wie ein Adventskalender. Immer warten auf's nächste Päckchen.

    Deine Federn stehen übrigens bei Frauchen im Regal, in einem Glas. Sieht echt dekorativ aus. Ich denke also oft an dich ;-)))))

    Grüße
    vom Angus

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    1. Danke, Angus, freut mich, dass mir mein Alphabet gefällt. Und dass unsere Federn einen so schönen Platz bei euch haben, freut mich natürlich auch.

      Mit dem Schutzanzug könntest du Recht haben. Es muss nicht immer brutal zugehen, wenn wir in der Balz- und Brutzeit sind - aber es kann. Manche Halter stülpen sich einen Papierkorb über den Kopf, wenn sie ins Zimmer gehen, damit sie keine Angriffe ins Gesicht abbekommen. Wir machen, was uns die Natur vorgibt. Damit müssen die Menschen rechnen, die mit uns leben. Viele unterschätzen das und geben uns weg, wenn's Probleme gibt, anstatt sich vorher zu informieren. Das Geheimnis besteht darin, uns so gut zu beobachten, dass knifflige Situationen gar nicht erst entstehen. Es klappt nicht immer (ich hab auch schon gut zugelangt ... *schäm*), aber so unausstehlich sind wir nun auch wieder nicht. Nach der Balz sind wir ja wieder friedlich.

      Dass du mich verstehst von wegen nix mit Vaterpflichten und so, das finde ich richtig klasse von dir. Erotik geht auch ohne Familie.

      Dein Max

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  2. Ich finde das auch voll spannend Max !!!! Besonders toll gefallen mir die aufgestellten Stirnfedern ...ich glaube das versuche ich auch mal bei den Mädels :-))

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  3. Ja, Georgie, probier das mal aus. Die Weiber fliegen drauf. Luft holen, konzentrieren, die Gedanken auf den Pony richten, die Luft anhalten und dann ... langsam anheben. Aber lass dir bloß keine Schleife reinbinden, das macht alles wieder zunichte.

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  4. :) You made my day! Entschuldige bitte, aber ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. *hüstel*
    Schön, daß ich bereits bei C auf dieses wundervolle Amazonen-Alphabeth gestossen bin, da gibt es ja noch eine Menge Buchstaben als Anlass zur Vorfreude.
    In diesem Sinne :)
    Viele Grüße und noch ein wundervolles Wochenende mit viel Zeit zum Safer Schnäbeln ohne Folgen :)
    Elke / kunstpause :)
    PS: Ich hab´s mehr so mit Eulen, schöne Grüße von Lulu!

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  5. Hallo Elke,

    na so was! Bei dir kann man ja tatsächlich Flügeltiere gucken. Die mit den Stöckelschuhen sind mehr was für die Mia, und Eulen ... hmm ... die hocken immer in der Nacht herum und glotzen stur, nicht? Trotzdem: Deine Zeichnungen gefallen mir gut. Es ist selten, dass Menschen, die selbst keine Vögel daheim haben, einen Faible für krumme Schnäbel oder Plattfüße hegen. Das macht dich sehr sympathisch. Komm ruhig wieder vorbei zum Lesen. Ich freue mich. Das nächste Mal kommt der Buchstabe D dran. Ich glaube, das ist nicht zu viel verraten; das kann ich verantworten, damit ich den andern nicht die Spannung nehme.

    Viele Grüße
    dein Max

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