Mittwoch, 23. November 2011

Paule und der Saunaclub

Irgendwas ist ja immer. Gerade jetzt vor Weihnachten kommt das sehr ungelegen. Vermurkstes Weltbild zurechtrücken und schluchzendes Östrogen wieder in Ruhestarre trösten, das sind Dinge, die sich übers Jahr verteilt besser angehen lassen – besonders wenn sich’s um die Cora handelt.

Ruft sie doch gestern hier an. Wollte die Mia sprechen. Ich dachte schon, jetzt werde ich Zeuge von so ‘nem Schnattermarathon, wo die Mia mit überschlagenem Bein auf der Sofalehne hockt und man ihr das Abendessen aufs Kissen stellen muss, damit sie nicht plötzlich wegen Ernährungslücke tot in den Abgrund stürzt. Haben wir alles schon gehabt. Umso überraschter war ich, dass diesmal aus dem Hörer nur Geschrei kam. Irgendwas Schrilles tat sich den Luftraum einverleiben. Streckenweise konnte ich eine Kreissäge identifizieren, dann wieder nur unsortiertes Ferkelgequieke. Die Mia hat dauernd „Ja! Ja!“ gesagt oder auch  mal: „Eeeehrlich? Du Arme!“ Den Hörer tat sie sich mit Abstand vors Ohr halten.

Irgendwann hab ich’s nicht mehr ertragen. Als Mann braucht man schließlich auch mal ‘ne Minute Stille für seine Rambo-DVD. Ich habe der Mia den Hörer aus der Hand gerissen. Erst war die Cora stumm vor Überraschung. Nur dass ich aus der Leitung gehen soll, ich unverschämte Dumpfqualle, hat sie mich angeranzt, aber danach tat es nur noch einen winzigen  Krallenschnipp dauern, schon hatte diesmal ich das Gewinsel an der Backe kleben. Glücklicherweise können Männer rasch das Wesentliche von der Deko unterscheiden; meine messerscharfe Analyse war also augenblicklich fertig.

Es geht um den Paule. Für die Uninformierten unter euch: Das ist ihr neuer Partner. Die beiden leben seit einem halben Jahr zusammen, aber ohne Erotik. Bisher hatte ich gedacht, das täte an der Cora liegen, weil längst nicht jeder Mann auf Hausmuttchen abfährt. Doch dass der Paule gleich so danebengreift, das hätte ich auch nicht gedacht.

Die Cora hat ein Inserat gefunden. Es steht in der vorletzten Ausgabe vom Saunaclub „Hot & Wet“. Die Cora meint, sie hätte es nur zufällig gesehen, als sie ‘ne Unterlage für ihre Kartoffelpuffer aus dem Stapel mit dem Altpapier gezogen hat. Das auf den Fotos sei eindeutig ihr Paule. Auch der blöde Text passe zu ihm.


Die Cora ist total fertig. 
„So ‘n Ferkel!“, tat sie dauernd kreischen.
Mir glippten die Ohrhaare um zu ‘ner Dauerverbeugung.  

Dabei hätte sie sich so angestrengt, dem Paule den Übergang in die neue Familie so angenehm wie möglich zu gestalten. Besonders für seine Hobbys hätte sie sich sehr interessiert. Dass er aufs Duschen abfährt, und zwar in einer … hm … auffallend extremen Weise, wäre ihr sofort aufgefallen. Sie hätte aber mitgemacht in der Hoffnung auf eine glückliche Annäherung, damit man später auch mal gemeinsam über Häkelmuster plaudern könne oder über Campingurlaub am Steinhuder Meer, also über kulturell anspruchsvolle Themen.

Das glaube ich nicht. Die Cora und Erotikduschen? Die altbackene Trutsche? Nie im Leben.

Doch! Leider. *aufschluchz* Sie täte es ja selbst bereuen, sie hätte sich weit runterreißen lassen. Das schwache Fleisch! Das teuflische Begehren! Es wäre längst nicht mehr um die simple Körperreinigung gegangen, sondern sie hätte sich dazu hergegeben, dem Paule durch Animation männliche Gefühle zu verschaffen. („Verachte mich nicht, Max!“)

Nee, is nicht wahr? Und das hat geklappt? Gniiie … ich brech ab.

Das wollte ich natürlich sehen. Es hat mich Etliches an lockendem Gesäusel gekostet, bis ich die Cora endlich so weit hatte. Sie hat mir Beweisfotos geschickt – unter der Bitte zur Verschwiegenheit. Ist doch klar. Beim Max kommt nichts in fremde Volieren, erst recht nicht in neugierige Hundehütten.

Ich muss schon sagen: Das ist starker Tobak. Wie sich die beiden da verrenken … schlimm. Dagegen ist ja meine Workshop-Reihe von neulich über die Gefahren und die Auswüchse exaltierten Wasserkontakts das reinste Kinderplanschbecken.

Rechts die Cora

Oh hauehauehau ...

Guckt euch die Bekloppten an. Entfesselt. Irre. Schamlos.

Aber das Allerschlimmste kommt noch: Dem Paule reicht die Cora ja nicht. Deswegen gibt er ja diese schweinischen Kontaktanzeigen auf. Außerdem ist er schon lange Mitglied im besagten Saunaclub „Hot & Wet“. Die Cora hat nämlich den Mitgliederausweis gefunden, ganz zufällig, beim Ausschütteln seiner Geldkassette für die Kochwäsche.

Im Nachhinein setzt sich dadurch so manches Puzzle zusammen. So täte ihr jetzt klar sein, woher die vielen Fußabdrücke kamen. Überall auf dem Boden so komische Zeichen, mal breit wie ‘n Ahornblatt, dann wieder klein und verästelt wie ‘n schrumpeliger Zweig. Dort müssen ganze Bataillone von Teichenten, Graugänsen, Tauben, Amseln und sogar Blaumeisen langewatschelt sein. Iiih! Und denen hätte sie auch noch das Abtropfwasser nachgewischt, natürlich im guten Glauben, der Paule hätte ganz allein geduscht. Immer täte das so gewesen sein, immer wenn die Cora von ihren ehrenamtlichen Treffen (sie macht doch Stadtteilpolitik und Brezel backen mit Froschwaisen) zurückgekehrt wäre und auch ihre Menschenmama nicht daheim war.

Damit aber nicht genug. Manche seiner albernen Planschhasen hat er einfach dabehalten. Plötzlich hockten sie im Weg herum und gehen auch nicht wieder weg. Der Cora und der Menschenfamilie hat der Paule gesagt, das wären Austauschschülerinnen. An denen täte er noch Logisverpflichtungen haben von früher aus der Zeit, als er noch woanders lebte. Nun ist der Cora ganz schlecht beim Gedanken, wie diese blöden Puten erst ihr zugeschaut haben, wie sie unter der Sprühflasche dem Paule zu gefallen versucht hatte, und dann, wenn keiner guckt, klettern sie selbst auf den Freisitz und schwingen höchstpersönlich den nassen Hintern. Bäh! Sie täte sich so ekeln.

Habt ihr’s bemerkt? Die Cora hat Recht. Die Saunaliebchen sind tatsächlich überall, bevölkern das halbe Haus. Man kann’s sogar auf den Fotos erkennen.
Hier noch mal eins der Bilder aus der obigen Reihe.

Hier auch:

Und hier:


Tja, bisschen komisch, der Geschmack vom Paule, nicht wahr? Er steht wohl auf glatt rasierte Weiber. Glatt und nackig. Von wegen wilde Natur, Federn  überall. Er weiß auch nicht, was er will. Oder ob die mal befedert waren, aber der Paule hat ihnen Enthaarungscreme draufgeschmiert? Die Cora jedenfalls ist nur noch ‘n Häufchen Gejammer. Jetzt will sie wegziehen. Zurück nach Venezuela, wo ihre Familie herstammt. Oder wenigstens ins Hennenhaus nach Essen oder Dortmund:
„Ich fühl mich so beschissen!“

Oh nee! Kommt gar nicht in Frage. So kurz vor Weihnachten? Ich weiß doch, was dann passiert. Womöglich ruft die Tante Gisela hier an und jammert sich bei meiner Mama aus, weil sie die Cora vermissen täte und weil sie nicht wüsste, was in ihre Kinder gefahren sei, sie wären früher doch immer so lieb und nett gewesen. Ruckzuck ist der Tag um. Und ich habe weder Mittagessen noch Abendbrot noch Mohnschnecken zum Kaffee gekriegt. Das letzte Mal, als so was war, hatte ich 20 Gramm abgenommen. Ich sah vielleicht Scheiße aus!

Brauch ich nicht. Also rasch Gegenmaßnahme treffen. Die Cora muss wieder in der Spur laufen.
„Und wie?“, tat sie in den Hörer plärren.
„Du gehst jetzt einmal durch die Wohnung“, habe ich geantwortet. „Jedes Vogelweib, das du triffst und das nicht mit dir verwandt ist oder auf deine ausdrückliche Einladung dort hockt, schiebst du zur Terrassentür raus. Dann sagst du tschüs und ziehst die Tür wieder zu. Dem Paule sagst du, seine nackten Austauschhäschen wären nach Hause gefahren, Advent feiern.
„Und dann?“
„ … füllst du ‘ne ordentliche Portion Tabasco in die Sprühflasche. Was meinste wohl, was das dem Paule für ‘nen imposanten Pavianhintern bescheren wird.“

Gott sei Dank, die Cora tat kichern. So ähnlich muss es geklungen haben, als die Hexe Hänsel und Gretel endlich drinnen in ihrer Bude hatte. Die reinste Lebensfreude kam mir durch den Hörer geperlt. Meine Ohrhaare durften sich wieder aufrichten.

Seitdem habe ich noch nichts wieder mitgekriegt. Alles ruhig aus Richtung Duisburg. Ich weiß nur nicht, ob das ein gutes Zeichen ist oder ein schlechtes. Ich meine, ich habe ausdrücklich nichts gesagt über fesseln und im verwaisten Freibad aussetzen. Nicht dass die Cora da was falsch versteht. Es täte mir sehr Leid um dieses niedliche Gesicht:


© Fotos: G. H.
© Max: Papageiengeschichten

Kommentare :

  1. max, ich bin wirklich SCHOCKIERT was da der armen armen cora widerfahren ist! das ist doch wirklich unglaublich. aber so sind sie halt die männlichen weggefährten. ich hab mich ja schließlich auch kastrieren lassen. und hermann und ich haben auch getrennte wohnungen. nö nö, da muss man schön aufpassen mit zu viel nähe. mann sieht ja was dabei rauskommen kann!

    aber tipps hast du auf lager! manno! da kann ich mir eine feder abzwicken. falls ich mal in so ein lage kommen sollte (klopf auf holz), musst du mir unbedingt auch so tolle ratschläge geben. versprochen?

    dackelbussi

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  2. Hi Max,

    wir hier sind gerade dabei unsere Hormone wieder unter Kontrolle zu bringen. Schön langsam.
    Männer müssen dann also wieder nach unserer Pfeife tanzen - und Max, die tun das auch. Ich finde immer und fast überall einen zum Küssen und LISSA einen zum Ankeifen.
    Mit nach Hause nehmen wir keinen. Jedenfalls nicht über Nacht. Sieht man ja was dabei rauskommen kann... Egal ob Federmann oder Fellträger... *räusper* DUUU bist natürlich ein Ausnahmemann!!! :-*
    Richte der Cora bitte liebe Grüße von uns aus wenn du wieder von ihr hörst.

    Herzliches WUUUFF,
    CARRY und die LISSA

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  3. Lieber Max,
    so viel Stress vor Weihnachten, die arme Cora.
    Ich finde es toll, dass Du die Angelegenheit in die "Krallen" genommen und "erste Hilfe" geleistet hast.
    Du bist halt ein wahrer Freund und Mann!!!!
    Herzliche Grüße,
    Mona und Anhang

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  4. Ich sag mal so; echte Männer müssen sich austoben bevor sie sich einem Muttchen in langen Wollschlüpfern** unterordnen, denn Unterordnung erwarten die doch letztendlich von uns. Sind wir erstmal so weit runtergekommen, dann heißt es nur noch: SEX? Wenn überhaupt, dann 1x im Monat und auch nur im Dunkeln.
    Cora soll sich wegen der Fremdwatschlerinnen nicht so anstellen, Paule verfeinert doch nur seine Liebespraktiken, die ihr später zu Gute kommen, sofern sie die** rechtzeitig in die Ecke schmeißt.
    Die beiden wasserbesprenkelten Piepmatzen erinnern mich stark an Vampire, das nur mal so nebenbei.
    Hoffe für alle, dass es dennoch zu einer friedlichen Adventszeit kommt. PIT

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  5. Hallo, mein lieber Max!
    Es ist immer wieder eine Freude, Deine Geschichten zu lesen und Deine Sicht der Dinge zu erfahren. Ganz toll finde ich die herrlichen Fotos.

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  6. @ Pia. Ist doch Ehrensache. Natürlich kriegst du jeden erdenklichen Rat von mir. Du brauchst nicht mal danach zu fragen; denn geb ich dir von ganz allein. :D

    Getrennte Wohnungen haben was für sich. Immer beim Frühstück dem Partner beim Wiederkäuen der Quarkstulle zu beobachten fördert nicht gerade die Romantik. Aber wir Vögel sind nun mal Schwarmtiere. Wir brauchen unser Gegenstück, auch wenn’s nicht die große Liebe ist. Vom Paule habe ich sonst nur Gutes gehört.

    @Klarissa. Tja, Mädels, wenn man attraktiv und obendrein charmant und pfiffig ist, dann liegen einem halt die Männer zu Füßen. Wie oft habe ich gesagt, die Cora soll sich mal nett zurechtmachen, ‘n Parfüm auflegen oder sich wenigstens die Knöchel rasieren, aber nein, sie tut es nicht. Immer nur Vereinsarbeit, Boden feudeln, Zwiebel schneiden, „Wer wird Millionär?“ gucken. Findest du das erotisch?

    Aber danke, ich richte die Grüße aus. Bisher habe ich noch nichts wieder gehört. Ich hoffe, der Paule lebt noch. Die Cora ist manchmal sehr temperamentvoll.

    Dein Ausnahme-Max :-*

    @ Mona. Ja, das stimmt. Ich bin immer total hilfsbereit. Mir gibt das was: auch mal was kostenlos zu tun. Und wenn dann noch alles klappt wie am Schnürchen, wie immer nach meinen tollen Tipps, dann macht das natürlich doppelt froh.

    @ Pit. Hey, Kumpel. Im Vertrauen gesagt, ich finde ja auch, dass wir Kerle zusehen müssen, dass wir nicht von den Wollschlüppern unserer Cappuccino -Tanten erschlagen werden, aber in diesem Fall muss ich mal ganz eindeutig zur Cora halten. Die bringt mir sonst noch die ganze Weihnachtszeit durcheinander. Nach Venezuela fahr ich nicht und hol sie zurück. Der Weihnachtsverkauf läuft gerade an, und an Heiligabend will ich in aller Ruhe Spekulatius futtern und dabei die Matchboxgarage einweihen. Also kriegt der Paule eins drauf. Muss er nächstes Mal eben vorsichtiger sein mit seinen Freizeithäschen. Warum geht er nicht draußen die Cora betrügen? Dort kennt ihn wenigstens keiner.

    @ Tante Helga. Wieso? Gibt es noch eine andere Sicht auf die Dinge als meine? :-O

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