Freitag, 15. Oktober 2010

Meine Freunde: Die Grunzer-WG

Grunzer, Bubi, Gisela, Urmel, Sir Bubi und Domino

Es hat was Gutes, wenn man in einer Großgruppe lebt: Man ist nicht so oft dran mit Müll raustragen und Geschirr spülen. Andererseits hat man Leute im Weg herumhocken, mit denen man Arrangement hinkriegen muss wegen jeder Kleinigkeit, angefangen vom Ast, auf dem man sitzen will, bis hin zum Mitbringen von Kumpels nach 22.00 Uhr. Es wird umso schlimmer, wenn komische Kreaturen in der Gruppe sind. Meist reicht ja schon ein Mädchen oder eine erwachsene Schnatterhenne, aber manchmal verbreiten auch gewisse Typen Belastungsstimmung. Bei der Frankentruppe ist es jedenfalls so.

Der Boss ist der Grunzer. Er macht Herrschaft über die Bubi (auch eine Venezuelaamazone wie er selbst), über den Urmel und über den Gisela (beides Gelbwangenamazonen). Ihnen gemeinsam gehört das Vogelzimmer im ersten Stock. Die beiden Blaustirnamazonen Domino und Sir Bubi gehen extra. Die sind was Besseres; die wohnen im VIP-Separee. Der Service-Mensch heißt Uschi. Wie alle Frauen tut sie gern putzen und steht für ihr Leben gern in der Küche. Ihr Auftrag heißt: Obstsalat und Gemüse-Potpourri schnibbeln.

Denn die Vierergruppe hat’s sehr mit öko: alles naturbelassen, Möbel aus Rohholz, Sägespäne statt Teppich, an den Wänden keine Bilder, sondern Eichenbaumwedel und Tannengrün. Dazu Gesundernährung mit Essen, das einen sofort aufs Klo schicken tut, und Ambiente aus Sparta: kein Fernsehen, kein DVD, keine Stereo-Anlage, kein Telefon, PC nur unten bei Uschi und auch nur, nachdem der Chef Erlaubnis dazu genickt hat. Außerdem gibt’s grünes Funzellicht, weil es angeblich Harmonie ausstrahlen tut, einen Plätscherbrunnen mit Aroma-Gesprudel wegen Durchspülung der Luftsäcke und jeden morgen Frühgymnastik.

Der Grunzer hat in seiner Jugend mal ’nen Kurs mitgemacht. Seitdem regiert ihn Verwirrung, was er besser finden soll: das Kneipp- oder Schüssler-Dingens, die Farbenlehre, Steinkunde, Homopattie oder doch lieber die Ginseng-Philosophie mit Feng Shui oder wie das heißt. Weil er keine Entscheidung findet, muss die ganze Truppe nun Querbeet erleiden. Alle müssen sie durch Schüsseln mit Heiß- und Kaltwasser stampfen, nachts auf Schlafplätzen hocken, die nach Osten oder Westen oder sonst wohin Ausrichtung geben, und am Wochenende Ausflüge mitmachen wegen Erbauung und Festigung von Waden und Weltanschauung. In Höhlen wird herumgekrochen nach Stalagmiten oder Vortrag besucht über Petersilie und Thymian oder Wanderungen gemacht mit Gleichschritt und Singbegleitung.

Die Vierergruppe bei der Besichtigung der berühmten Hellholzkommode von Ruhrpolding

Soweit mir Wissen vorliegt, klappt das ganz gut, jedenfalls mit der Bubi und dem Urmel. Die beiden tun nur so strotzen vor Gesundheit und Öde. Die Bubi hat ’n superweiches Flauschgefieder; sie will Religionslehrerin werden. Der Urmel würde gern mal ’nen Puff von innen sehen, tut sich aber nicht trauen, dem Grunzer das zu sagen, weil der Grunzer obendrein zu dem ganzen Gesundfirlefanz an der Moral zurückgeblieben ist. Er tut keine Freundin dulden, solange man nicht verheiratet ist – nur um eins der Gebote zu nennen. Dem Grunzer verursacht so was lautes Erzürnen, und ich kann verstehen, dass der Urmel frustriert ist, wenn er sich ’nen mächtigen Anschiss einhandelt, nur weil er sich für die Innenarchitektur von Wäschepuffs interessiert. Für den Grunzer gehört alles Dunkle zu „intim“.

Der Einzige, der dem Gruppengedöns wirkliches Entrinnen schafft, ist der Rotbalkenheini, der Gisela. Wahrscheinlich ist er deswegen so kotzbrockig. Seine Taktik ist die: zum Grunzer hin artiges Begeisterungsnicken vorführen, aber hinten herum Löcher suchen für Abhauen. Er ist oft krank, mal dies, mal das, oder er fährt auf Seminar nach Weimar oder Baden-Baden. Dort darf dann die Sau raus, die er jedes Mal mitbringt. Junge, Junge … Römer-Orgie war nichts dagegen. Ich weiß das, weil der Stiesela mir von jedem dieser Gelegenheiten ’ne Postkarte schickt mit Detailbeschreibung. Das heißt, er macht Andeutung und meint dann: „… aber dafür bist du noch zu dämlich.“ Ich hätte schon oft Lust gehabt, ihm mit einem kleinen Denkzettel den Spaß zu vermiesen, aber erstens versteht der Grunzer mein anonymes  Zaunpfahlgewinke nicht, und zweitens macht man das nicht unter Freunden. So wünsche ich dem Stiesela alles Gute und mir, er möchte mir von der Pelle bleiben.

Der Stiesela

Warum die Domino und der Sir Bubi nicht beim Gemeinschafts-Omm mitzumachen brauchen, weiß ich nicht so genau. Vielleicht will der Grunzer sie nicht dabei haben wegen Abwehr von Schlechteinfluss, denn die beiden leben zusammen, obwohl sie nicht verheiratet sind – stellt euch das mal vor! Vielleicht tun sie aber auch nur nerven, denn die Domino leidet unter Einbildung, sie täte ’ne große Opernsängerin sein. Jeden Tag dies Gejaule: ha-ha-ha-ha-haaaaa – nee, wirklich, das treibt einem ja die Federn in die Waagerechte! Sir Bubi macht den Ray Charles dazu, klimpert auf den Fressnäpfen die Begleitung. Ich tu mich die ganze Zeit fragen, ob das nicht überhaupt die beste Taktik ist, damit man keine Dünstkarotten essen und Kniebeugen machen muss. Die beiden futtern nämlich Normalkost und gehen mindestens einmal im Monat zu „Döner-Papst“. Sir Bubi hat eine „Metallica“-Plattensammlung, Domino ist Mitglied im Fan-Club von „Sex in the City“.

Sir Bubi und Domino

Vielleicht macht der Stiesela ja doch was falsch; er tut’s nur nicht merken. Schön blöd. Ich werd’s ihm nicht sagen. Armer, doofer Rotbalkenheini.

© Max: Papageiengeschichten

© Fotos: U. W.

Kommentare :

  1. Lieber Max,

    sag mal, hast du heimlich Kontakt mit dem Rotbalkenheini, weil du so genau Bescheid wissen tust? Diese linke Bazille, macht auf krank, nur damit er die Kurve kriegt.
    Mit einem hast du 100 pro recht, Stiesela ist arm und doof. Da helfen keine Pillen und kein Seminar in Baden-Baden.
    Die Domino ist eigentlich schon in Ordnung, nur kann sie den Rotbalkenheini nicht ausstehen, (unter uns Max, ich kann's verstehen).

    Dein Grunzer

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  2. Ach, weißt du, Grunzer, der Stiesela schreibt mir ja dauernd Protzpostkarten und schickt mir Prospekt von den Hotels, wo er versumpfen tut. Ich will das ja gar alles nicht, ich habe Abneigung gegen solchen Lebenswandel. Aber irgendwie tut er Narren an mir suchen. Ich hoffe, der Stiesela kriegt jetzt keinen Ärger, weil ich das alles hier geschrieben habe. Du wirst ihm doch nicht den Kopf abreißen? Oder noch schlimmer: Ihn nicht mehr rauslassen?

    Dein Max

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  3. Lieber Max,

    dass der Stiesela ein Prahlhans ist, weiß ich schon lange. Vielleicht braucht er das für sein Ego. Weil so toll ich, ist er nicht und wird er nie werden. So lange er sich benimmt, wie er die Füße auf meinen Ästen hat, guck ich großzügig über den kleinen Spinner weg.
    Nicht mehr rauslassen? Nee, sonst kann er dir ja keine Protzpostkarten mehr schreiben. Durch dich weiß ich wenigstens in welchen Kreisen er sich bewegt.

    Dein Grunzer

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  4. Na, dann ist ja gut. Ich dachte schon, ich hätte zu viel verraten und du wüsstest jetzt, was dieser Angeber so treibt.

    Dein Max

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  5. Die Mama läßt fragen, warum der Gisela "Stiesela" genannt wird. Ist mit "Gisela" was nicht in Ordnung??

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  6. Liebe Cora,

    mit "Gisela" ist alles in Ordnung, solange man eine Mama ist oder wenigstens eine Frau. Männer, die diesen Namen haben und dazu wegen Doofheit auffallen, heißen "Stiesela". Sein zweiter Name ist "Schmachtstange".

    Wie ist eigentlich die männliche Form von Cora? - Coral?

    Dein Max

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  7. Huhu Cora,
    sag deiner Mama, Gisela ist damals mit Cowboystiefeln angekommen, da hat Max dann Stiesela daraus gemacht. Weil frech ist der Rotbalkenheini schon. Ich tu ihm aber gerade das Fürchten lehren. Nicht mit dem Grimm-Märchen zu verwechseln. :-)
    Du Max, musst keine Angst haben dass du zuviel verraten tust. Ich finde es in Ordnung, dass du deinen Freund über die Schmachtstange auf dem laufenden hälst.

    Euer Grunzer

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  8. Cowboystiefel! Ha! Der Rotbalkenheini hat doch O-Beine. Außerdem müsste es dann ja "Stiefela" heißen und nicht Stiesela. Ich weiß das, ich war schließlich im Rechtschreibe-Internat.

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  9. Huhu Max,

    ehrlich, der Stiesela hat tolle Cowboystiefel. Wenn er auf Ausflug ist um die Protzpostkarten zu schicken, zieh ich mir die heimlich über.
    Hihi, Stiefela passt aber auch. :-D
    Das Rechtschreibe-Internat hat sich gelohnt, du schreibst jetzt gewählter.
    Dein Grunzer

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  10. Und wie findet die Bubi das, wenn du heimlich anderer Leute Sachen anziehst? Siehst du gut damit aus oder wie Opa, der Bonanza spielen tut?

    Dein Max

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  11. Leider meint die Bubi, die Cowboystiefel sehen nur an Stieselas krummen Beinen gut aus.
    Heißt das jetzt, dass ich schönere Beine habe Max, also ist das quasi ein Kompliment?
    Gut ausschauen tu ich klar damit, ist bei mir aber kein Kunststück. Wenn ich das in aller Bescheidenheit sagen darf.

    Dein Grunzer

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  12. Nein, Grunzer, das ist kein Kompliment, das ist Weiberlogik. Dem muss man Ignorieren geben. Das macht sonst jeden gesunden Mann krank.

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  13. Hallo Stiesela,
    hätte noch eine schöne Lederjacke mit Fransen für dich, passt perfekt zu deinen Cowboystiefeln. Komm doch mal vorbei und mach Anprobe.

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  14. Hallo Pauli,
    gerade rechtzeitig zum Faschingsfinale, lese ich dein Angebot mit der Fransenlederjacke. Da schwill mir schon alleine von der Vorstellung sie zu tragen die Brust.
    Und was möchtest du dafür haben, auch ein Matchboxauto?

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  15. Der Grunzi geht heuer als Cowboy. Süß ... Kommt die Duffi-Katze mit? Ich meine, ein richtiger Kuhjunge braucht doch ein Pferd. =))

    Du, wenn du den Pauli erreichen willst, musst du lauter schreien. Oder anrufen. Oder gleich vorbeigehen. Er hat doch keinen eigenen PC so wie wir. Außerdem darf er nicht so oft auf den Monitor gucken, weil seine Leute finden, das täte schielen begünstigen.

    Soll ich dir einen Tipp geben? Er mag Knabber-Futterlis. Die sind zwar für Hunde gemacht, aber Paulis mögen die auch gern.

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  16. Paaaaaaaaaaaaaauli, Paaaaaaaaaaaaaaaaaauli?

    War das laut genug Max? Armes Pauli, wenn es noch nicht mal einen eigenen PC hat. Wir ja auch nicht, aber als Chef darf ich jederzeit den PC benutzen.

    Das Cowboy Kostüm steht mir gut Max. Deswegen tät die Jacke vom Pauli mein gutes Aussehen noch abrunden. Gut dass ich das mit den Knabber-Futterlis weiß, sonst hätte ich glatt mein ganzes Taschengeld für die Faschingsfete ausgegeben.

    Die Idee mit der Duffy-Katze ist auch super. Da komm ich mir wie Little Joe bei Bonanza vor.

    Was wäre dein liebstes Kostüm Max?

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